Irland – eine Herzenssache

von Stefan Leppert, Reiseleiter der Fahrt nach Irland

Die Geschichte mit „meinem“ Irland begann 1979. Ich leistete Zivildienst in Bayern und ein Mitarbeiter des Krankenhauses erzählte, wie er Anfang der 60er Jahre ein Jahr lang durch Irland gewandert sei. Einen Weg in meine spärlichen Aufzeichnungen fanden seinerzeit seine markantesten Ansichten, etwa zum Wetter („An den Regen gewöhnt man sich schnell.“), zu den Iren („Die ärmsten und die nettesten Menschen in Europa.“), zur Landschaft („Ausgeraubt wie die Menschen.“) und dazu, dass es keine Zäune gegeben habe, nur Bäche, Sümpfe und Mauern, die aber nie „Betreten verboten“ gesagt hätten. Zu Gärten hatte er nichts erzählt. Er war Verwaltungsmensch, ich damals noch Bankkaufmann.

Es dauerte viele Jahre, bis ich die Insel nicht nur in Büchern, sondern von Dublin aus betrat. Ich hatte mich, wie meine Freunde auch, von den jährlichen Niederschlagsmengen abhalten lassen. Menschen durch irische Gärten zu führen, geschah durch Zufall. Ein Reiseleiter war ausgefallen, eine Kollegin wurde angefragt, die aber zu diesem Termin bereits in England gebucht war. Sie empfahl mich. Wie die meisten Gartenliebhaber hatte ich viele Gärten in Süd- und Mittelengland besucht, in Irland keine. Zugegeben, die Entfernungen von Garten zu Garten sind weiter als in Kent oder Gloucestershire, aber nach der zweiten Fahrt von Dublin in den äußersten Südwesten der Insel wurde mir klar, dass darin auch ein Reiz liegt. Der entspannt im Bus Reisende sieht viel von der Landschaft, deren Wälder vor fünfhundert Jahren zu Schiffen der englischen Flotte verarbeitet wurde und die sich immer noch sparsam bewachsen präsentiert. Doch so fährt man immer durchs offene Land, man sieht viel davon, die Landschaft prägt sich ein und dann die Gärten, die wie botanische Schatztruhen darin eingebettet sind. Der Kontrast vom Kargen und Üppigen, von Artenarmut und Artenreichtum ist atemberaubend. In den Gärten zeigt sich, was in diesem vom Golfstrom ganz besonders begünstigten Teil der Insel alles möglich ist – ein Vielfaches von dem, was wir aus hiesigen Baumschulen und Staudengärtnereien kennen. Und aus England. Um all diese Pflanzen in Natura zu sehen, müsste man nach Chile und Südafrika, nach Australien, China und Kalifornien reisen. Es ist auch der Kontrast vom streng Geplanten zum naturhaft Gedeihenden im Style William Robinsons, der Mount Usher und Altamont, Bantry und Ilnacullin so einmalig machen.

So manches hat sich den Weg von den Gärten in die Landschaft gebahnt. Das beunruhigt die Schaf züchtenden Iren zunehmend, freut aber das Auge des Touristen. Im Mai blüht an vielen Hängen pinker Rhododendron, mannshohe Fuchsienhecken ziehen sich durch Wiesen und säumen die Straßen und Wege. Bergrücken leuchten gelb durch dichte Stechginsterdickichte. Und wenn in dieser Landschaft burgunderrote Magnolienblüten, haushohe Palmen oder mächtige Pinien auftauchen, dann nähert man sich einem Garten. Wer das Glück hat, vom Obergärtner hindurch geführt zu werden, wird sich an die Notiz (Die nettesten Menschen in Europa.) aus meiner Zivildienstzeit erinnern. Und wer abends an der Hotelbar oder in einem Pub mit einem irischen Whiskey in der Hand (Fragen Sie nach „Redbreast.“) den Tag Revue passieren lässt, wird sich der Originalität dieses Landes, seiner Gärten, Städtchen und Bewohner bewusst und zu Erkenntnissen kommen. Eine davon wird sein, dass man nochmal wiederkommen muss. Das Wetter im Südwesten ist im Mai nämlich meistens so gut, wie man es gerade erlebt hat.


Leppert mit Kanne

Reiseleitung:

Stefan Leppert, den Gartenbuchautor, Fotografen und Übersetzer ziehen unsichtbare Fäden immer wieder auf die britischen Inseln.
Hier kommen Sie zu unserer Irlandreise 2016.