Kamelien in Galicien

Ein Reisebericht von Elfi Scholz-Adam

“Meine lieben Blümchen….”, so immer die Einleitung von Tommi, unserem Reiseführer durch Galicien und seinen wunderbaren Kameliengärten. Dann kamen die Erklärungen zu den Kamelien, zur Historie und Lebensart “Wir alle lieben Fisch und essen ihn mindestens 3 x pro Woche, sind immer ein bisschen unzufrieden und schlecht gelaunt!”, was auf Tommi keinesfalls zutraf.

Natürlich standen die Kamelien im Vordergrund – weshalb Tommi uns liebevoll „seine lieben Camelchen nannte – und haben sich von ihrer besten Seite gezeigt: so viele Schönheiten, knospig, voll erblüht oder schon im Vergehen. Wir konnten diese nicht nur in den verschiedenen Pazos, überall am Wegesrand, sondern auch in einer speziellen Kamelienausstellung bewundern.

Die Wunderwerke der Natur geben sich gerüscht paeonieförmig, anemonenähnlich, in Pompondahlienform oder auch einfach bzw halbgefüllt in rot, weiß, violett, rosa, sogar gelb und auch rosa-weiß gestreift; mitunter gibt es verschiedene Farben an einem Strauch, weil Kamelien sehr mutierfreudig sind.

Für Kamelienfreunde wahrlich ein Eldorado: Camellia japonica; – sinensis; – sansanqua; – x williamsii; – x hiemalis; – hibrida; – saluensis. So die verschiedenen Varietäten.

Nicht wenige Gäste hatten Wiedererkennungserfolge und nennen so manche Schönheit ihr Eigen, zuhause in Deutschland, wo nicht überall Kamelien wachsen und sicherlich nirgends so ideale Bedingungen wie im feuchten, milden, golfstrombegünstigten Galicien vorfinden.

Von Santiago de Compostela, der ” schönsten Stadt im Paradies”, wo wir auch als “Pilgerchen” unterwegs waren und den sagenhaften Weihrauchkessel in der Kathedrale in Aktion bewundern konnten, ging es in die Städtchen Cambados, Pontevedra, Baiona und in die Hafenstadt Vigo.

Steinerne Wegkreuze aus Granit, eigenartige Kornspeicher, ebenfalls aus Granit, wie überhaupt die meisten Gebäude hier, begleiten unsere Route.

Pazo de Oca, Santa Cruz de Ribadulla, Pazo Rubians, Pazo Quinteira da Cruz, Pazo Saleta, Castelo Soutamaior, Quinones de Leon heißen die Kameliengärten.

Aber auch Weingärten standen auf dem Programm, wie z.B. Pazo Fefiñans oder Pazo de Galegos, wo wir viel über den galicischen Weinbau gelernt und dessen Erzeugnisse selbstverständlich verkostet haben.

Ein berührender Besuchspunkt war das Wohn- und Sterbehaus der Dichterin Rosalia de Castro, die im 19. Jahrhundert ihre Heimat, das Heimweh der Auswanderer und die gesellschaftlichen Zwänge in ihren lyrischen Werken in galicischer Sprache zum Ausdruck brachte und heute jedem galicischen Schulkind ein Begriff ist.

Schließlich haben wir noch viel über die Miesmuschelzucht (waren wir nicht auch “Muschlerinnen”?) in den Rias Baixas, den fjordähnlichen Flußmündungen, gelernt.
Auch über Kolumbus, der vielleicht Galicier war, und wie ein Eukalyptusbäumchen als Mitbringsel zu flächendeckenden Wäldern heranwuchs.

Für Alle, die da waren und Alle, die noch hin wollen (müssen):

Ein Pazo, eigentlich Palast, ist
ein großes Haus – una casa grande
mit Kapelle – con capilla
Kornspeicher – horreo
und Zypresse – y cypres
es un pazo.