Liannes Präriegärten

Während unserer Reise Dutch Wave (ab 7. Juli und 1. September jeweils 6 Tage) zu neuen holländischen Gärten besuchen wir auch Liannes Präriegarten. Bei der Vorbereitung der Reise konnte ich mit Lianne Pot über Ihren Garten sprechen.

Lianne, Du hast einen Präriegarten im Norden Hollands, in der Provinz Groningen aufgebaut. Prärie, da denke ich an Westernfilme, an wilde Bisons, Indianer und unberührte Graslandschaften. Wie kommt eine niederländische Bauerntochter zu einem amerikanischen Garten?

Mir geht es darum die Stimmung der Prärie einzufangen. Hohe Gräser erinnern mich an meine Kindheit als wogende Schilfbänder meinen Schulweg begleiteten. Aber auch kräftige Stauden wie Wiesenkerbel und Weidenröschen säumten die Wege. Nach einem Besuch in Amerika war mir klar, dass die Vielfalt von Gräsern und blühenden Pflanzen meinen Garten bestimmen sollten.
So verschmelzen in meinem Garten meine Reisefreude und meine Liebe zur weiten oft windigen Landschaft vor der Küste.

Wie wild ist dein Garten?

Zunächst habe ich Gräser gesammelt. Daraus ist die niederländische Sammlung der Ziergräser mit ca. 350 Arten und Sorten entstanden. Zum Glück konnten wir ein Stück Land erwerben auf dem ich meine Ideen von einem schönen und pflegeleichten Garten entwickeln konnte. Ich wollte einen Garten für naturbegeisterte Menschen in dem sich auch Insekten und Vögel wohlfühlen.
Zunächst musste der nährstoffreiche Boden abgetragen werden. Dann habe ich Stauden und Gräser sehr dicht gepflanzt und schließlich mit einer Schicht mit 7 cm gesiebter Lava bedeckt. Ab diesem Zeitpunkt durfte sich die Pflanzung selbst entwickeln. Ich habe lediglich eingeflogene Kräuter entfernt.

Ist so eine Prärieidee auch für einen Familiengarten auf einem kleinen Grundstück geeignet?

Meine große Leidenschaft ist es, Menschen für natürliche Gärten zu begeistern. Wer 10 -20m² in sonniger Lage hat, der kann sich bald an einem Stück faszinierender Natur erfreuen. Wichtig ist natürlich eine standortgerechte Pflanzenauswahl aus konkurrenzstarken Pflanzen. Das ist zunächst etwas für den Spezialisten. Recht schnell wächst der Gärtner jedoch in seine Gartenwelt hinein und kommt mit 1-2 Std Pflege pro Monat aus. Wichtig ist, dass der Schnitt der Gräser im Frühjahr entfernt wird, um den Nährstoffgehalt des Bodens zu verringern. So müssen die Pflanzen kräftige Wurzeln ausbilden und bleiben auch in trockenen Zeiten widerstandsfähig.

Wie viele unterschiedliche Pflanzen sind denn zu empfehlen und was kostet der Spass?

Zwischen 15 -25 Stauden und Gräser sorgen für stete Abwechslung und ein reiches Farben- und Formenspiel. Bei 8-9 Pflanzen / m² kostet ein m² an Pflanzen ca. 30,00 €.

Wann ist denn die schönste Zeit im Präriegarten?

Der Garten ist in jeder Saison attraktiv. Ab April, bevor sich die Gräser entwickeln, bringen Allium und Tulpen Farbe ins Spiel. Anfang Mai verzaubern Camassia, die blauen Prärielilien das Beet. Im Frühsommer werden kräftige Salbei, Babtisia (Färberhülsen), Nelkenwurz und Katzenminze die Fläche mit Farbwolken versorgen. Später erscheinen Monarda und Echinacea bevor dann die Gräser wogen. Auch im Winter sind Halme und Blütenstände attraktiv. Ich genieße immer wieder neu.
Lianne, danke für das Gespräch. Wir kommen gerne nach Groningen.

 

Wer mehr über Lianne Pot´s Garten wissen will, dem sei das Buch über den Garten empfohlen:

Im Farbenmeer eines Präriegartens
mit Fotos von Ulrike Romeis und Josef Bieker und Gartenbeschreibungen von Lianne Pot DVA, 2015

Fotonachweis: Alle Fotos dieses Berichtes stammen von Lianne Pot, Ulrike Romeis und Josef Bieker.