Marokko mit Baumfreunden

Reisebericht.  Die Jahresfahrt der Deutschen dendrologischen Gesellschaft (DDG) führte Ende April 2015 nach Marokko. Im Frühjahr 2016 wird Gartenreisen Laade eine Fahrt nach Marokko anbieten.

Wer sich auf einer Fahrt von pflanzenbegeisterten Spezialisten wähnt, hat Recht und wird doch auf das Schönste eines Besseren belehrt. Die pflanzengeografischen Regionen geben die Fahrtroute vor. Doch durch den Besuch von Moscheen, alten Stadtvierteln und Befestigungsanlagen erhalten wir Einblicke in das Leben der vielfältigen Kulturnation im Nordwesten Afrikas.
Mit nimmermüder Begeisterung teilt der Leiter der DDG Prof. Dr. Peter Schmidt sein Wissen mit uns. Ob der Blütenpracht der vielen Stauden werden die Gehölze dabei fast zur Nebensache. Allerdings bilden manche bei uns nur staudig wahrgenommene Gattungen wie Malven, Kohlgewächse, Melde, Wolfsmilch oder Ehrenpreis im Süden auch verholzende Formen.
Mit verschmitztem Charme bringt der marokkanische Reiseleiter Luhcen Balhous uns die Schönheit des Landes näher. Bei frisch gepresstem Orangensaft und einem Glas des köstlichen süßen Pfefferminztees mit der geheimnisvollen Note kann man die Erlebnisse des Tages nachklingen lassen.

Inshallah, so Gott will, eröffnet und beschließt Luhcen seine Ausführungen.

Hier geht es zur Website der DDG.

Die Städte Casablanca und Rabat – ein prosperierendes Land

Die Fahrt durch die großen Metropolen an der Atlantikküste zeigt: In diesem Land steckt Schwung. Durch umfangreiche Baumaßnahmen in den Städten erhalten viele ehemals mittellose Bauern ordentliche Wohnungen. In den Gewerbegebieten von Casablanca und Rabat haben sich die großen Firmen aus der ganzen Welt angesiedelt. Wahrzeichen der Wirtschaftsmetropole Casablanca ist die Moschee Hassan II. 200m ragt das quadratische Minarett auf einer dem Meer abgewonnen Fläche in die Höhe. In Rabat kann man vor den Mauern des Königspalastes, eigentlich einer Stadt in der Stadt, die Macht der Monarchie im Lande spüren. König Mohamed VI. wird geschätzt, in allen Hotels ist sein Porträt zu sehen. Um die Städte entstehen große Waldflächen um Boden, Klima und Wasser zu schonen.

Inshallah, so Gott will, fasst Luhcen diese Bemühungen zusammen.

Die Küstenregion – ein grünes fruchtbares Land

Wer Marokko nur mit der Sahara in Verbindung bringt, wird angesichts der weiten fruchtbaren Ländereien im Norden sein grünes Wunder erleben. Ergiebige Flüsse durchziehen die Regenseite der großen Gebirgsketten des Rifgebirges und des Atlas. Auf tiefschwarzem fruchtbaren Boden werden Weizen, Kürbisse, Melonen, Zuckerrohr, Tabak und Lein sowie traditionelle Früchte wie Saubohnen und Kichererbsen und Kardamon angebaut. Olivenhaine ziehen sich über die Hügel. Die Bewirtschaftung des Landes ist glücklicherweise nicht so lebensvernichtend intensiv wie bei uns. Mohn und Natternkopf durchziehen rot und blau Felder und Wegraine. Immer wieder sind bunte Brachflächen zu sehen, die von kleinen Kuh.- und Schafherden beweidet werden. Die Tiere laufen frei und werden von Hirten bewacht. 43% der Bevölkerung Marokkos arbeiten in der Landwirtschaft.

Bei einer Rast konnten wir auf Anhieb mindestens 30 Kräuter wie Reiherschnabel, Dreifarbwinde, Malven, Borretsch und Sternklee bewundern. In den Dörfern klappern Störche. Bisweilen entdecken wir aus dem Bus eine Blauracke oder einen Bienenfresser, Vögel deren Nahrungsgrundlage große Insekten sind, die bei uns weggespritzt werden.
Gartenflächen sind oft durch Opuntienkakteen umgrenzt als Schutz vor Tieren. Die Landwirte bauen stets mehrere Kulturen kleinräumig an. Dies schützt vor Ernteausfällen einer Frucht bei frühen Hitzeperioden. Etliche Höfe scheinen verlassen zu sein. Landflucht stellt noch immer ein großes Problem für das Land dar. Es bleibt zu hoffen, das sich die kleinräumigen Strukturen halten können und den Menschen ein gutes Auskommen geben. Biologischer Landbau, so erklärt uns Luhcen wird als neue Einnahmequelle gesehen. In den wasserreichen Regionen im Norden halten sich augenscheinlich die Probleme durch Überweidung in Grenzen.

Inshallah, so Gott will, beschließt Luhcen seine Ausführungen.

Am Wegesrand – Botanische Schätze

Die Pflanzenvielfalt am Wegsrand ist begeisternd. Ob Autobahnrastelle oder ein Stopp unterwegs: Die bunte Vielfalt zieht die Pflanzenfreunde magisch an. Ein Stopp hinter Rabat birgt die erste Überraschung: Im Grünbereich der Raststätte entdecken wir die geheimnisvoll purpurn leuchtende Sommerwurz Orobanche. Der Schmarotzer saugt fremde Wurzeln an und braucht daher kein eigenes Blattgrün zu produzieren. Ein Zeichen für ungestörte ökologische Wechselwirkungen.

Auf dem Weg von Rabat ins Rifgebirge entdecken wir auf einer Weidefläche neben einem Olivenhain auf wenigen m² mindestens 30 unterschiedliche Blüten. Saattütenbekannte Pflanzen wie Boretsch und Malven blühen üppig. Die Dreifarbwinde (Convolvulus tricolor) leuchtet tiefblau aus der Ackerfurche. Bei genauerem Hinsehen entdecken wir den bezaubernden Sternklee (Trifolium stellata), verschiedene Flockenblumen (Centaurea pullata; C. solstitialis), den binsenblühenden Weiderich (Lytrum junceum) und gelbe Habichtskräuter. Der blaue Ackergauchheil (Anagalis foemina) gelber Hornklee (Lotus) und Reiherschnabel weben feine Blütenteppiche. Ein weißblühender Basilikumziest (Stachys ocymastrum ) und Milchfleckdisteln (Galactites tomentosus) mit weißgeäderten Blättern und strahlend blauvioletten Blüten bevölkern eine Erdgrube.

Auf einmal befinden sich die Botaniker inmitten in einer Schafherde: Ein junger Hirt kommt auf uns zu, schält die Triebe wilder Artischoken (Cynara cardunculus) heraus und teilt sie mit uns.

Inshallah, so will es Gott.

Blaue Stadt und gelbe Orchideen – Chefchaouen am Rifgebirge

Die ansässigen Berber nennen Chefchaouen die Stadt zwischen den Hörnern. Der Begriff Hörner bezieht sich auf die Form der umringen Berggipfel. Die Medina, die historische Innenstadt mit ihren unzähligen verwinkelten Gassen, erstrahlt in Blau und Weiß. Diese Farben halten unliebsame Insekten fern. Ein großer Holzhaufen inmitten der Gassen deutet auf einen Hamman, ein Dampfbad, das rund um die Uhr genutzt wird. Männer und Frauen können zu getrennten Zeiten den Körper reinigen und sich auf den neusten Stand der örtlichen Nachrichten bringen.
Viele Händler bieten ihre Waren feil. Wir entdecken einen Stand mit frischgepresstem Orangensaft. Jede Frucht wird geschält, geteilt und gepresst. Das dauert seine Zeit. Umso beglückender ist das Ergebnis: eine herrliche Erfrischung aus ausgereiften Früchten.

Inshallah, so will es Gott.

Fotostopp mit botanischer Beglückung

Noch einmal wollen wir die Blaue Stadt im Tal fotografieren. Schnell fesseln jedoch kleine gelbe Blüten am Hang unsere Aufmerksamkeit. Die Orchideenart Gelbe Ragwurz (Orphys lutea) zieht uns in ihren Bann. Noch unscheinbarer, doch kaum weniger sensationell ist der Zungenstendel (Serapias angustifolia) am selben durch Aufschüttungen der Straße überformtem Hang.

Die Fahrt ins Rif Gebirge, in dem wir Atlaszedern bewundern werden, führt durch die Buschvegetation der Macchien. Durch Überweidung und Holzentnahme entstand dieser Vegetationstyp aus ehemaligen Stein und Korkeichenwäldern.
Beglückend ist auch hier die Vielfalt der Vegetation. Verschiedene Arten von Cistrosen wie rosablühender Cistus albidus sowie C. ladanifer und Schopflavendel (Lavandula stocheas) blühen Ende April. Die Baumheide ist gerade verblüht. Pflanzen, bei uns mit viel Liebe in Kübel gezogen, dienen hier als Weidepflanzen. Unscheinbar, an den Boden gepresst blüht der Schmarotzer Cytinus hypocistus, der die Wurzeln der Cistrosen anzapft. Klein aber formenreich sind auch die krautigen Pflanzen wie Steinklee, Mauretanischer Lein (Linum austiacum subspec. mauretanicum) und mit an den bodengepresstem Laub und blauen Blüten die Fieberfärbedistel (Carduncellus pinnatus). Dagegen wird deutlich was die auch in unseren Gärten winterharte Pallisadenwolfsmilch (Euphorbia characasias) so alles kann: Sie wächst ebenso auf trockenen Baumscheiben wie weit über der Winterschneegrenze. Einmal mehr zeigt sich wie wichtig unser Besuch bei den Pflanzen an ihrem Naturstandort ist. Nur dort erfährt man was in einer Pflanze steckt.

Inshallah, so Gott es will, fahren wir beglückt weiter.

Alte Bekannte mit neuen Gesichtern – Atlaszeder, Zypressen und Pfingstrosen

In den Hochlagen des Rifgebirges prägen ab 1500m Höhe die Nadelbäume das Waldbild.
Die mauretanische Tanne, die (warum auch immer so genannte) Strandkiefer (Pinus pinaster) und die hier heimische Atlaszeder (Cedrus atlantica). Die Zeder ist bei uns vor allem als stattlicher, breitausladender Parkbaum mit blauen Nadeln bekannt. Diese Form erweist sich jedoch nur als Auslese von vielen möglichen Farb.- und Wuchsvarianten, wie sie sich hier am Naturstandort über tausende von Jahren haben bilden können. Leider ist durch starke Beweidung bis in die Hochlagen die Naturverjüngung dieser Art an vielen Orten bedroht.

Im Nationalpark Talassemtane werden letzte Urwälder mit Zaunanlagen vor Beweidung geschützt.

Zypressen (Cedrus atlantica) kennen wir schlanke aufragende Nadelgehölze. Doch auch diese Pflanzen stammen aus gärtnerischer Auslese. Aus Saatgut entstandene Pflanzen zeigen ein breit gefächertes Wuchsbild von pyramidaler Form bis hin zu den schlanken Formen.

Bis auf ca.1500m reichen lichte Steineichenwälder mit einer vielgestaltigen Krautflur. Ende April blühen locker verstreut Pfingstrosen der Art Paeonia mascula. Dank tiefreichender fleischiger Wurzeln kann die Pflanze auch auf trockenen Hängen gedeihen. Bemerkenswert an vielen Standorten der Pfingstrosen ist die reiche Flechten und Moosvegetation an den Bäumen, was auf hohe Luftfeuchtigkeit schließen lässt.

Inshallah, so Gott es will.

Römer, Berber und Araber – Die fruchtbare Region um Volubilis, Meknes und Fes

Eindrucksvolle Städte zeugen von der langen Siedlungsgeschichte der fruchtbaren Täler zwischen Rifgebirge und dem mittleren Atlas. In der ehemaligen Römerstadt Volubilis lässt sich an prächtigen Mosaiken und gut erhaltenen Grundmauern der Aufbau einer römischen Siedlung erkennen. Zwischen den Steinen dürfen Stauden und Gehölze wachsen. Ein Eldorado für Botaniker, Geschichtler und Vogelfreunde.

Volubilis diente einst der Berbermetropole Fes als Steinbruch. Die freien Menschen, wie sich die Berber nennen, imitierten die Römer jedoch nicht sondern bauten eine eigene Architektur. Der sonnenwehrenden Wüstenarchitektur entstammt die berühmte Medina mit über 2000 Gassen, in denen gelebt, gehandelt und produziert wird. Es empfiehlt sich, nur mit Hilfe von ortskundigen Führern dieses Labyrinth zu betreten. Duftrosen, Kamille und Minzblätter können hier ebenso erstanden werden wie Fleisch, Fisch oder ein vor Ort gefertigtes Bett, Stoffe, Schmuck oder vor Ort gedengelte Messingware. Mitten im Gewirr der Gassen wird auf traditionelle Weise Leder gegerbt und gefärbt. Ein Zweig frischer Minze vor der Nase mildert den herben Geruch.
Fes war und ist die Stadt der Wissenschaft und Literatur. Bis ins 17.Jahrhundert war Fes auch die marokkanische Königstadt.

Der selbstherrliche Sultan Moulay Ismail zog ab1690 weiter nach Westen nach Meknes, wo er zahlreiche Prachtbauten errichten ließ. In beiden Städten sind wunderbare Moscheen mit prachtvollen Mosaiken, Stuck- und Holzschnitzarbeiten zu besichtigen.

Inshallah, so Gott es will.

Vom Frühling in den Hochsommer – die andere Seite des Atlas

Die längste Tour der Reise führte aus frühlingshaften Temperaturen im frischgrünen Azrou im Süden des Rifgebirges über den Mittleren und Hohen Atlas 350km weit nach Süden in die Wüstenstadt Erfoud. In Erfoud kletterte das Thermometer schon auf über 35 Grad.

In den niederschlagsarmen Hochebenen der Gebirge leben Berberstämme mit ihren Viehherden. Bis vor einer Generation waren viele dieser Stämme noch Nomaden. Nun zeugen einfache flache Lehmbauten inmitten einer weiten kargen Landschaft von Sesshaftigkeit. Nur einzelne Familien, die von der Bienenzucht leben, ziehen noch in Zelten der Blüte von Rosmarin und Thymian in die Höhen der Berge nach.

Trockenheit, Wind und Überweidung sorgen für eine besonders angepasste Vegetation. Nur ein leichter Hauch von Grün ist selbst nach einem feuchten Winter zwischen den Geröllhalden zu entdecken. Wenige Pflanzen werden höher als einige cm. Viele Pflanzen bilden niedrigste Blattrosetten aus mit tiefen Wurzeln. Uralte Thymianpflanzen ducken sich mit kleinsten Blättern hinter Steinen. Nur wenige kommen in Blüte. Oft sind die hungrigen Mäuler von Ziegen und Schafen schneller.

Eine eindrucksvolle Strategie zur Fraßabwehr verfolgen Dornpolsterpflanzen. Verschiedene Pflanzengattungen wie Hasenohr (Bupleurum spinosum) oder der blaublütige Igelginster (Erinacea anthylis) bilden eine wehrhafte stachelige Kuppel um ihr Grün. Ganze Hänge leuchten blau und gelb von maulwurfshaufengroßen Dornpolstern.

Die Wolfsmilch (Euphorbia nicaensis) überlebt durch ihren ungenießbaren Saft.

Auf den Höhen überleben einzelne uralte Wacholder. Durch Aufforstungsprogramme entstanden lichte Kiefernhaine (Pinus halepensis) in geschützteren Lagen.

Nach Überquerung des 2178m hohen Passes Col du Zad im hohen Atlas erreichen wird wüstenhafte Regionen mit eindrucksvollen Felsformationen.
Nach der Passage des Tunnels der Legionäre auf 1300m Höhe hat man eine gute Aussicht auf den flechtenden Verlauf des schmelzwasserführenden Flusses Ziz.

Allein die Bewässerung durch einen Stausee sowie Oasen entlang der immer wasserführenden Flüsse ermöglichen menschliches Leben. Jeder m² fruchtbarer Boden der Oasen wird genutzt. Siedlungen, Friedhöfe und Sportplätze finden sich im staubigen wasserfreien Randbereich.

Bewässerung und Landbau in der Wüste – Die Rosenhecken von M´Gouna

Unterschiedlicher können die Welten nicht sein. Oft nur wenige Meter getrennt liegen kahle Berghänge und üppig bewachsene Oasentäler. An den Oberläufen der Atlasflüsse auf ca. 1500m Höhe ist genug Wasser für 2-3 Ernten im Jahr vorhanden. Voraussetzung dafür ist ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem und genaue Absprachen der Landnutzer. Den Flüssen wird mit Hilfe von kleinen Kanälen Wasser entnommen, das auf in Terrassen angelegte Felder geleitet wird. Die Feldstücke sind meist nur einige Meter breit und durch gestampfe Dämme voneinander getrennt. Ein Laubdach aus Feigen- Oliven-, Mandel- und Aprikosenbäumen schützt vor Austrocknung. Begrenzt werden die Felder durch Hecken aus Damaszenerrosen. Aus 300 -700kg Rosenblättern kann 1l Rosenöl gewonnen werden. Auf den Feldern werden Getreide, Erbsen und Bohnen angebaut. Beikräuter werden von Hand gejätet und dienen ebenso wie Klee als Viehfutter. In große Tücher verpackt wird die frische Mahd in der Regel von Frauen geschultert und bisweilen über km in die im Ort gelegenen Ställe verbracht. Weidendes Vieh sieht man nicht. Jede Familie hält ihre Kuh ganzjährig im Stall.

Arbeitskräfte sind im Landbau schwer zu finden trotz hoher Arbeitslosigkeit. Diese paradoxe Situation lässt sich durch die Unterstützung von in Europa arbeitenden Marokkanern erklären. Das Taschengeld aus Europa ist höher als die kargen Löhne im Landbau.

Rosenfestival in Kelaat M´Gouna

Am zweiten Maiwochenende findet im ca. 300km östlich von Marrakech gelegenen Kelaat ein Rosenfestival statt. Über 300 Aussteller zeigen Produktion und Verarbeitung der Duftenden Blätter. Eine Rosenkönigin wird gewählt. Die Auszeichnung „Goldene Rose“ wurde gestiftet um auf die Rolle der Frauen bei der Gewinnung und Verarbeitung hinzuweisen. Für viele Familien ist der Verkauf von Rosenblättern die einzige echte Einnahmequelle im Jahr.

Die Rosenschau dient auch als Markt um Kultur und die künstlerischen Produkte der Region zu präsentieren. So zeigen Berberfamilien Reiterspiele, führen Tänze auf und musizieren.

Straße der Kashbahs

Das M`Gounatal wird auch Strasse der Kashbahs genannt. Kashbahs sind die Wohnburgen der Berber, die traditionell aus Lehm gebaut wurden. Feuchter Lehm, Kies und Stroh werden in Holzverschalungen gegossen und gestampft um schließlich an der Sonne zu trocknen. Durch Einkerbungen werden Verzierungen angebracht. In Lehmgebäuden herrscht auch bei großer Hitze eine angenehme Temperatur. Sonne, Wind und Regen setzen den Mauern zu. Daher müssen die Mauern stets ausgebessert werden, was sehr arbeitsintensiv ist.
Wenn ein Gebäude aufgegeben wird, lösen sich seine Bestandteile wieder auf, ein ideales Recycling.

Die Lehmbauweise wird heute nur noch selten praktiziert. Neubauten entstehen aus einem Betonständerwerk und Hohlbausteinen. Gestaltung und Farbe der Bauten bleiben jedoch erhalten, sodass einheitliche Stadtansichten zu bewundern sind.

Öffentliches Grün und botanische Gärten – Grün in Marrakech und Rabat

Großflächige Aufforstungen um die Metropolen Marokkos sorgen für eine langfristige Verbesserung des Kleinklimas und der Wasserversorgung. Eine Fülle tropischer Blütengehölze ziert die Straßen von Rabat und Marrakech.

Gelb blühen Akazien, echter Jasmin, Tipuanabaum und Eucalyptus. Leuchtend rot empfangen Zylinderputzer, Korallenbaum und Hibiscus. Mit rosa Büscheln lockt die Albitzie Insekten an. Geheimnisvolles Blau umflort den Paternosterbaum. Leuchtend Blau säumt der Jacrandabaum die Straßen. Über Mauern wuchert in knalligen Orange, Violett und Rottönen die Bougainvillea. Wie Laternen wirken die orangen Blüten hoch in den australischen Silbereichen. Über den Straßenbäumen wehen die Wipfel der chinesischen, amerikanischen und afrikanischen Palmen im Wind.

Ein würziger Duft umgibt den peruanischen Pfefferbaum. Üppig wachsen auf steilen Hängen riesige Agaven mit ihren hellen spitzen Blättern und den meterhohen Blütenständen.
Wie helle Fahnen wirken die Weißpappeln in den Flussauen.

In Marrakech werden die Hauptwege durch breite Grün,- besser Buntstreifen gesäumt mit Kleingehölzen wie Punica, Stauden und Gräsern. Die Stadt profitiert von den ganzjährigen Schmelzwasserströmen aus dem hohen Atlas. Die Pflanzenvielfalt der Straßen setzt sich in den Gärten fort.

Gärten in Rabat

Nekropole Chella
Auf den Mauern römischer Ruinen errichten die Merinden im 13./14.Jahrhundert ihre Gedenkstätten. Weißstörche brüten in großer Zahl auf den Mauern. Ein Hain mit u. Hortensienbäumen, Pistazien, Grevillea, Ölbäumen, Paternosterbaum, Weihnachtssternen und dem gelbblühende Tipuanabaum umgeben den zauberhaften Ort.

Botanischer Garten Rabat Jardin d`Essais
Über einen breiten Mittelweg mit verschiedenen Wasseranlagen flanierend, wird der Pflanzenfreund in eine ganze Reihe verschiedener Pflanzensammlungen gezogen. Über 700 verschiedene Pflanzengruppen werden hier kultiviert. Beeindruckend sind eine Allee aus Ficus elastica mit ausladenden Luftwurzeln sowie zwei mächtige Drachenbäume.

Andalusischer Garten bei der Kasbah des Ouaides
Von Mauern und Türmen umgeben, erweist sich der andalusische Garten mit Laubengängen, Orangebäumen, Lavendel und Rosenbeeten als Oase im Trubel der Stadt. Wunderschön sind auch die Steinlegearbeiten der Wege.

Exotengarten Bouknadel
Unweit von Rabat liegt der landschaftlich angelegte Exotengarten. Viel verschlungene Wege gehen vom Erschließungsweg ab, so dass man sich schon bald inmitten von natürlichen Landschaften wähnt. Teichanlagen und Grotten entführen in fremde Welten. Nachtigallen schmettern auch am Tage ihr Lied. Haine mit den Themen Bambus, Wassergehölze stehen für die Landschaften Japans und Polynesiens. Ein spielerischer Lehrgarten mit hohem Unterhaltungswert.

Gartenbesuche in Marrakech

Aus der großen Vielfalt der Gärten in Marrakech besuchten wir den wohl bekanntesten Garten der Stadt, den Jardin Majorelle. Angelegt wurde der Garten 1923 von dem französischen Maler Jaques Majorelle. Der Modeschöpfer Yves Saint Laurent übernahm und vervollständigte die Anlage. Leuchtend blau gestrichen sind Wegränder, die Villa und viele Blumentöpfe. Leuchtend blau ist auch des Frühlings Himmel, den die mächtigen Palmwipfel freigeben. Kakteen, Palmen und Bambus prägen den hervorragend gepflegten Garten.

Duftgarten Tnine-de-`Ourika
Die Besucher erwartet ein Reigen von Gewürzpflanzen wie Lavendel, Heiligenkraut, Maggikraut, Rosmarin, Punica, Oleander und Wollmispel. Duftgeranien blühen im Freiland.
In Marokko dürfen natürlich auch verschiedene Minzsorten nicht fehlen. Unter einer Laube wird ein aromatischer Kräutertee mit Gebäck serviert.

Resümee und Dank

Die Reise der DDG nach Marokko wurde geleitet von Prof. Dr. Peter Schmidt, dem Präsidenten der Gesellschaft. Für die Pflanzenfreunde war es täglich aufs Neue eine Wohltat vom Wissen von Herrn Dr. Schmidt profitieren zu können. Großen Anteil am Gelingen der Reise hatte auch der marokkanische Reiseleiter Lahcen Balhouss, dessen umfangreiches Wissen zu Geschichte, Literatur und Leben im Land uns ein facettenreiches Bild des Landes zwischen zwei Meeren und dem Atlasgebirge ermöglichte.

Sehen Sie sich hier die Zeichnungen und Ölgemälde von Frau Elvi Schmidt an.