Reisebericht Privatgärten im Elsass

31.05. – 04.06.2018

Bei sommerlichem Wetter, das die ganze Reise angenehm begleitete, wurden wir beim ersten Garten von Pia & Alain herzlich empfangen. Sie sammeln Pflanzen japanischer Herkunft und haben damit ihr Haus umgeben. Ein Koiteich sowie ein japanisch eingerichtetes Gästezimmer im Garten gehören dazu. Pia bäckt leidenschaftlich, auch für uns, und veröffentlicht ihre Rezepte im Internet.

Nicht weit entfernt La Ferme bleue – der Blaue Bauernhof – ein durch ein großes Tor zur Straße geschlossenes Areal, eine Welt für sich. Um die verschachtelten Gebäude liegen kleine und etwas größere Gartenräume, die vom Landschaftsarchitekten Jean-Louis Cura und seinem Mann, dem Lampendesigner Alain Soulier entworfen und gepflegt werden. Kunstvolle Kacheln werden wieder verwendet, Gegenstände zweckentfremdet und Kunstwerke in den Garten eingestreut. Ob klassisch französisch, italienisch anmutend oder einfach romantisch hier kann man auch auf der geschützten Terrasse die Seele bei Kaffee und Kuchen baumeln lassen.

Den Aufenthalt in Sélestat nutzten die Reiseteilnehmer zu einem geführten Stadtrundgang mit der Reiseleiterin. Nur wenige Minuten zu Fuß vom Hotel beginnt die Altstadt. Nach mehrjähriger Bauzeit stand die Wiedereröffnung der als Weltkulturerbe klassifizierten Humanistischen Bibliothek kurz bevor. Viele prächtige Bauten entlang der Gassen zeugen vom Reichtum der mittelalterlichen Handelsstadt, aber auch das ehemalige Gerberviertel mit den Handwerkerhäusern ist sehenswert. Auf der anderen Uferseite der Ill bilden zwei moderne öffentliche Bauten den Kontrast zur historischen Altstadt.

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Die Textil Manufaktur Wesserling präsentiert ihre Gärten im Jahr 2018 unter dem Thema Japan, allerdings war die Ausstellung Anfang Juni offiziell noch nicht eröffnet, da die jedes Jahr neu angelegten Pflanzungen noch jung waren. Die Ausstellung im Museum über die Herstellung und das Bedrucken von Textilien sowie die Herstellung und Verarbeitung von Garn bot interessante Details.

Das Mittagessen nahmen wir im Ziegelei Garten (Tuilerien) ein. In der ehemaligen Lehmgrube möchte das Ehepaar Bombenger ab nächstem Jahr Pilze kultivieren. Wir besichtigten den japanisch inspirierten Hausgarten und ließen uns von Frau Bombenger die Wirkung der Bach-Pflanzen erklären, die sie besonders im Hanggarten kultiviert. Gemütlich saßen wir an den hübsch dekorierten Gartentischen und aßen das zarte Gulasch-Fleisch, das Herr Bombenger schon seit dem frühen Morg

en für uns zubereitet hatte

.Elsass 1_3105-04062018 124-900_Jardin des OrchideesElsass 1_3105-04062018 020-900_Pia&Alain

Im Garten der Zeiten konnte man die Zeit vergessen. Die großzügige Anlage, die vor allem großwüchsige Stauden mit Gehölzen nach dem Vorbild von Piet Oudolf kombiniert lädt zum Schlendern ein. Nahe beim Eingang waren die beiden Wildrosen-Beete der Blickfang. Ein Wäldchen mit hohen Bäumen, das schon bei der Anlage bestand, verstellt den Blick und lädt zum Entdecken ein. In jede Richtung ergeben sich neue Pflanzenkombinationen, immer großzügig mit Massenpflanzungen angelegt. Die Hauptblütezeit liegt im Sommer, doch die Vielzahl an Grüntönen, Blattformen und Pflanzenstrukturen wirkt sehr entspannend.

Von der Straße aus lässt sich nicht vermuten welches Pflanzenparadies sich im Hausgarten von Herrn Wollenschläger verbirgt. Der Orchideenliebhaber kultiviert kleine Bestände von Frauensch

uh und Japanische Orchidee in verschiedenen Varietäten, beantwortet jede Frage zur Kultur gründlich, liebt darüber hinaus ausgefallene Pflanzen und schließt auch Asblumen nicht aus.

Der Rosengarten in Saverne zeigte sich von seiner besten Seite, denn ein unübersehbares Blütenmeer empfing uns schon beim ersten Blick auf den überschaubaren Garten. Herr Strohl, der uns durch den Garten führte, bestätigte den idealen Zeitpunkt für die Besichtigung. Der Rosengarten in Saverne ist ein Wettbewerbsgarten in dem Neuzüchtungen anonym an einem bestimmten Tag bewertet werden. Wir erfuhren wie Rosen gezüchtet, bewertet und gepflegt werden, ebenso interessant waren die Geschichten zu Rosen und ihren Namensgebern.

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Der Besuch der Altstadt von Straßburg, mit einer Rundfahrt im Panorama-Boot durch die Kanäle die die Altstadt umgeben, vermittelte uns viel Information über die frühere und heutige Strahlkraft dieser Stadt. Waren es früher die Gelehrten so sind es heute die Europaabgeordneten, die die Stadt bekannt machen. Nach der Bootsfahrt konnten die Teilnehmer die Gassen um den Münsterplatz selbst erkunden.

In die Vogesen brachen wir früh auf, um auf der Landstraße gemütlich die Landschaft aus Wald, Wiesen, Weiden, Seen und kleineren und größeren Siedlungen zu genießen. Und plötzlich ein Garten in einem ehemaligen Steinbruch, von Bächlein durchzogen, mit Phantasie gestaltet, mit einer Vielzahl an Pflanzen, die zu Bildern zusammengestellt, perfekt gepflegt, nur begeistern können. Der Garten von Berchigranges! – Burgen sind für das Elsass typisch und so folgte ein Besuch der Hohlandsbourg mit einem kleinen Mittagessen. Pflanzen wachsen im kleinen Burggarten, denn die Burgbewohner mussten sich versorgen, so gibt es Kräuter für die Küche, medizinische Kräuter, „Seife“ oder Haarfärbemittel, doch auch einige Blumen der Schönheit wegen. Der Rundblick auf die Vogesen und die Rheinebene belohnt den Aufstieg zum Wehrgang auf der Mauerkrone. Unterhalb der Hohlandsburg liegt Eguisheim eines der schönsten Dörfer des Elsass. Häuserringe umgeben zwei Kirchen und den Dorfbrunnen. Vielen kleine Geschäfte, Boutiquen sowie Cafés laden zum Flanieren ein.

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Der Garten von Marguerite, ein besonderer Hausgarten, der kürzlich durch einen farbenprächtig blühenden Kiesgarten zur Straße hin erweitert wurde; dagegen ist der Gartenteil hinter dem Haus eine halbschattige Oase, ein Vogelparadies. Gehölze verweben sich kunstvoll mit Stauden, doch immer wieder öffnen sich zum Teil geschmiedete „Fenster“, die Ausblicke in die Umgebung ermöglichen. Der Weg führt an einem Bächlein entlang zum Gartenteich.

Im romantischen Garten von Pierrette stand unter dachartigen Platanen das Überraschungsbrot mit Getränken bereit, so dass wir uns für die Rückreise stärken konnten. Pierrette liebt Strukturen und setzt gerne mit ausgeprägten Pflanzen Akzente. Neu entstanden ist eine Hecke aus senkrecht wachsenden Apfelbäumchen, die wie Linien, aber voll mit roten Äpfelchen den Nutzgarten umgeben. Abwechslungsreiche Sitzmöbel in den verwobenen Räumen bieten den Hausgästen Aufenthaltsmöglichkeiten.

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Ja, das Elsass ist eine Reise wert – es war meine sechste Elsass-Reise als Reiseleiterin in drei Jahren und immer wieder freue ich mich auf die abwechslungsreiche Landschaft, die erfahrenen Gärtner und Gärtnerinnen und ihre so unterschiedlichen Gärten.

Barbara Filipp – 12.06.2018