Reisebericht Friaul

 

Bericht Reiseleitung: Lutz Redecker

Zwischen türkisblau und Moosgrün

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Notizen zu einer frühsommerlichen Reise in das Friaul

Die frischen Temperaturen auf der Aichinger Hütte treiben die Gäste rasch von der Terrasse in die warme Gaststube. Ein Regenschauer kommt herbei und seine Wolken verhüllen im Handumdrehen den Weitblick über den Wolfgangssee bis nach Klagenfurth bzw. die Berge

Kärtens. Weiter im Südosten geht es also nach Slowenien und zu den Julischen Alpen erklärt der Gastwirt. Und so findet unser erster lunch in einer warmen Stube statt, während die Sonnenstrahlen hinter den dunklen Wolken wieder hervor kommen und wir trockenen Fusses den unterhalb gelegenen Garten erkunden können.

Ein schmaler Pfad durchzieht den Alpengarten am Rand der Alpenstrasse. Auch hier fantastische Panoramen, die von diesem geschützten Biotop weit nach Süden reichen. Erstaunlich, was für eine Pflanzenvielfalt auf einem Hektar die heimische Kalkflora auf 1500m Höhe gedeiht. Einige Beete sind von einem Schildermeer durchzogen, die erahnen lassen, was hier zum Sommer hin alles zur Blüte kommen mag. Doch zahlreiche zarte Blüten dieser hochalpinen Vegetation sind schon präsent. Stein- und Kräutergarten erscheinen da wie selbstgeformt und das Gesamtbild eines extrem artenreichen Naturgartens lässt staunen. Einige Varianten der zarten Auriculas, Hauspflanze des Gartens, sind schnell ausgemacht und der Vetreter des Gartenvereins Herr Fischer bezeichnet das trocken-kalte Mikroklima als ideal für diese lachenden Primeln, die im angelsächsischen Sprachgebrauch auch Primroses genannt werden.

 

Immer der Sonne folgend

Weite Flussbetten mit hellem Geröll, den Sedimenten der Kalkalpen, durchziehen die Landschaft nach Süden. Die Sicht auf abrupte Berghänge, Wildwasser und unberührte Natur beeidnruckt auf der Fahrt durch das nördliche Friaul bis wir schliesslich den türkisblauen Isonzo überqueren und in das historische Zentrum mit seinen verwinkelten Gassen einbiegen.

Um Geschichte geht es gleich am nächsten Morgen im ehemals römsichen Aquileia bei einer Führung vom ehemaligen Forum Romanum über eine schattige Zypressenallee hin zu seinen legendären und bestens erhaltenen Fresken. Besonders eindrücklich ist jedoch der Freskenzyklus der Geschichte Jonas. Ein antiker Stadtplan des antiken Aquileia lässt erkennen, dass in der Blütezeit die Stadt gut und gern 100.000 Einwohner hat fassen können. Und natürlich ein angemessenes Amphitheater für “Brot und Spiele”, für geschätzt 30.000 Besucher. Zusätzlich hat die Stadt auch ein Theater, hat auch einen Circus für Wagenrennen. Weitere hunderttausend Handwerker, Waffenschmiede, Schiffsbauer und Werften lebten im Umkreis von zehn Kilometern.

 

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  DSC_0185Ein Garten voller Farben und Geschichten

Nach diesem archeäologischen Ausflug folgt das erste Highlight mit dem Privatgartgarten von Romeo und Liviana auf ca. 3000 qm. Eine Duftwolke der vielen Rosen überlagert bereits den Eingang zum Garten an einem feuchtwarmen Mittag. Insekten in Hülle und Fülle leben hier. Romeos Leidenschaft liess nicht nur seltene chinesische oder persische Rosen den Weg in seinen Garten finden, auch verloren geglaubte Exemplare wie die einst von Redoutè gezeichnete Rosa Centifolia Foliacea, die er in seinem Versuchsfeld stolz präsentiert. Hier packt die ganze Familie mit an, lautet die Antwort auf die Frage, wieviel Hilfe er für die Pflege des Gartens braucht. Seine Tochter steht mit Fachwissen aus einem Landwirtschaftsstudium zur Seite. Bei einem Abtausch von Fragen und Erfahrungen mit der Gruppe kommen Fragen zum Schnitt und zur Düngung auf.

Weitere, herrlich duftenden alten Rosen, Centifolie und chinesische Rosen scheinen sich in diesem harmonischen Gartengefüge äusserst wohl zu fühlen, wie etwa seine fantastische Kreation Roxburghii.  Bei seinen zwei historischen Zeugen des Rosenkriegs zwischen den Lancaster und York erzählt Romeo diese blutige Geschichte des englischen Mittelalters. Und kommt zu seinen verehrten Austin Rosen; der einmaligen Charles de Mills von umwerfender fragrance.

Mit einem köstlichen Mahl, phantasievollen Antipasti und “Risotto an Gallicarosen” im Schatten prächtiger Rambler spricht Romeo über Entstehung und Philosophie des Gartens, seine ehemals keinswegs ihn zufrieden stellende Arbeit und die Ökonomie der Effizienz, die das Biologische, die Natur, in immer rascherem Maße zurückgedränge und zerstöre. Mit seinem Garten, den er fünf Jahre vor der Beflanzung  mit nahrhaften Substraten (aus Walderde und Pilzkolonien) auf ausgelaugten Feldern vorbereitete und der nun mit großer Kompostaufbereitung sich selbst ernähren soll, unterstreicht Romeo seine Wahl, individuelle Wege des Rosengartens in Harmonie mit der Natur zu beschreiten.

 

Anbei ein Spezialrezept von Liviana, das sie mit einem “macinino” per Hand und etwas Zeitaufwand püriert, aber zur Not sich auch mit dem Pürierstab zubereiten lässt :

 

Confettura alle Rose di Liviana

1 kg Renette-Äpfel, feingeschnitten (Würfel, ohne Schale und Gehäuse)

1 kg Blüten der Etoile du Holland (oder anderer Duftrosen)

500 gr. dunkler, hochwertiger Zucker

 

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Zutaten mit etwas Wasser eine Nacht in einem geschlossenen schweren Topf ziehen lassen. Am nächsten Tag aufkochen (max. 20 min) und abkühlen lassen. Pürieren und einige Stunden ziehen lassen und als Frischmus an Vanilie-Eis servieren.

 

Elegance und Passion bei der Gartenplanung

Gewiß, die zu schauenden Privatgärten veranschaulichen ganz unterschiedlichen Mitteleinsatz und Vorstellungen. Der Ambition, durchstrukturierte Rabatten  aufzubauen, von bestem Saatgut zur Pflanze hin zu arbeiten und seltene Aahorn Arten zu ziehen, folgen Vito Corgnali und seine Frau Dora. Bestechend sind sein Calycanthus floridus,  japanische Arhornsorten, ein 8 Meter hoher Rambler am Garteneingang, ornamentale Graminacee, Deuzien, Peonien in acht verschiedenen Farbvarianten (einer raren japanischen Variante ITOH) und Hybrid Rosen in einer durchweg eleganten Anlage. Die Blütezeit seines prunus subhirtella autumnalis erklärt Vito genau: er blühe selbst bei minimal 2-3 Grad im Winter, schliesst die Blüten bei Kälte und öffnet sie bei den besseren Graden wieder.

Eine Sammlung alter Utensilien aus der Landwirtschaft  seines Großvaters präsentiert Vito mit dem Hinweis auf seinen Garten in dem er sich gern auf traditionellen Fruchtbaum-Schnitt und altes Gemüsesaatgut konzentriert. Bei einem Apero im Garten mit regionaler Salami und Käse sowie einem jungen Bianco frizzante zieht der Abend auf.

 

Der Rilkeweg

Ein Blick vom Turm des Schlosses – den viele Teilnehmer gleichermassen geniessen – vermittelte bereits zu Beginn, was für eine fantastische Natur die Kalksteinküste hier offenbart. Tolle Panoramen ins Inland, den leider inzwischen geschlossenen romantischen Garten zur Ruine am Wasser hin und zur Küste bzw. dem Meer. Insignien der Besitzerfamilie, eine Instrumentensammlung.

Gut erhaltenes Mobiliar und feine Zimmer zum verweilen zeichnen hingegen das Innenleben dieses Ortes der Begegnung vieler Musiker, Künstler und Schriftsteller zu Beginn des 20. Jh.

Ein Ausrufungszeichen charakterisiert gut das Verhältnis des Dichters zum Schoss Duino. Die Intensität seiner Begegnung mit der Gräfin Marie von Thurn und Taxis – wir erfahren über seinen Aufenthalt hier – reflektieren auch die Elegien. Ein Hinweis auf das Hörspiel Rilke-Projekt, laut und emphatisch vorgetragen – und keineswegs auf eine verstandesgemässe Interpretation angelegt, hilft, diese fast hermetische Dichtung in einem anderen Blickwinkel zu schauen. Die Besichtigung des Schlosses an einem zeitigen Sonntag Morgen und der Spaziergang auf dem Rilkeweg bietet Zeit zur Reflektion und Naturschau einer üppigen Vegetation. Der Duft von Helicrysum und Schwarzkiefern überzieht den von Steineichen und Hopfenbuchen gesäumten Weg. Wilde Karotten in voller Blüte, und der hier heimische Perückenstrauch in zarten Rosaschattierungen schauen hinter manchem Felsen hervor.

Am Schloss Miramar finden sich trotz vieler Besucher an diesem sonnendurchfluteten Pfingstsonntag im stillen Garten der Osteria noch eine schattige Terrasse für ein Mahl bevor es zum Parco San Giovanni geht. Umgeben von altem Baumbestand lässt sich erahnen, warum Erzherzog Maximiliam lieber hier als in Mexico sein wollte.

 

Exessive Farbenpracht und Rosenpark par exellence

Wenn der kreative Geist Dr. Vladimir Vremec dieser hübschen Anlage – ehemals ein psychatrisches Ospedale, heute ein Teil der Universität – von seiner vita artistica zu den Pflanzen kommt, wird es spannend. Entlang einer geschwungenen Einfahrt, geht es dann langsam zu den systematisch angelegten Hauptbeeten der Anlage.

Die unter der österreichisch-ungarischen Monarchie 1896 entstanden Anlage zur Reintegration psychisch Kranker umfasst heute fast 5.000 verschiedene Pflanzen.

Im oberen, von alten Eichen gesäumten Bereich nahe der Villa Bottacin befinden sich u.a. viele Varianten von “Alba” und jüngeren Hybriden. Im mittleren Teil hingegen sehr gesunde und kräftige

“Gallica”, “Centifolia”, “Damascena” und “Centifolia Muscosa” in einem

fast zu schattig erscheinendem Bereich.

Mit viel Enthusiasmus verweist der Dottore auf seine zahlreichen  “Rugosa”, “Chinensis”, “Multiflorae”, “Noisette”, Kordes- und Austin-Rosen sowie Teerosen mit klangvollen Namen. Auch die “Canina” gedeihen trotz der relativen Trockenheit prächtig, gefolgt von den Kletterrosen “Banksia” und “Gigantea”. Fast nicht zu glauben ist der relativ kurze Zeitrahmen (2010) seit der Entstehung dieser gut eingewachsenen, zauberhaften Anlage.

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Grenzwege zum Monastero Castagnevizza, Marinka und Nordis-Garten

Einen Katzensprung vom ehemaligen Grenzbahnhof entfernt befindet sich auf einem Hügelkamm dieses Kloster, das wir an einem milden Morgen aufsuchen. Heute befindet sich hier die zweitgrößte Sammlung von Bourbonrosen nach der Roseraie de l’Haÿ nahe Paris. Schnell ist die Geschichte des Ortes vermittelt, dessen Klostergarten einst ganz in der italienische Tradition des Hortus medicinalis oder auch Orto dei Semplici mit einer kleiner Produktion von Heilpflanzen (den Officinalis Pflanzen) stand. Heute befindet sich dafür noch ein kleiner Bereich zusammen mit Gemüseanbau am Hang. Der überwältigende Duft der Bourbon-Rosen umgibt bereits den Eingang und langsam folgen wir den gerade noch in Blüte stehenden hübschen Pflanzen umgeben von einer Kiwi-Pergola mit Blick auf die alte Festung von Gorizia.

Um slowenisch-italienische Geschichte geht es dann auch in den beiden folgenden Gärten, deren Besitzer die dramatischen Wirren und Illusionen der Geschichte hautnah erlebt haben. In der Tat: die Anekdoten dieser Zeit wirken wie literarisch zu verarbeitender Stoff…

 

Das Grundstück der Villa Nordis erfuhr durch einen glücklichen Streich der inzwischen verstorbenen Besitzerin am Ende des 2. Weltkriegs die Eingliederung auf italienisches Terrain mit einer Gartenmauer nach Slowenien. Mit einem Schmunzeln weiss auch Marinka von diesen Ereignissen der Gruppe beim Gang durch ihren liebevoll gewachsenen Garten zu erzählen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs pilgerte sie nach GB zu den Gärten von Sissinghurst und  Great Dixter. Während bei der begeisterten Peonien-Freundin – zunächst inspiriert von der Azaleen-Sammeltätigkeit des Prof. Viatori –  in vielen Winkeln sich verdeckte Blütenfreuden und Kletterrosen auftun, bestimmt in der Villa Nordis die Weite und Übersichtlichkeit des Gartens mit herrlichen Sichtachsen die Anlage. Auffällig ist die eher in Frankreich verbreitete Vorstellung, in alten Anwesen auch markante Aussenmauern der Anlage farbfrohe Wildrosen und Rambler zu staffieren. Die freundlichen Gastgeber Romano und Enrica zaubern hier unter dem alten Baumbestand der Villa für die Gruppe ein lunch, dass schliesslich Bilderbuch-Charakter gewinnt und es nicht einfach macht, weiterzuziehen. Ihre Freude – mit Unterstützung von Marina und Marinka – an der Gestaltung dieser Begegnung erfasst alle Besucher an diesem lichtdurchfluteten Ort.

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Englische Formen, mediterrane Farben

Die Besucher ins Schwärmen zu bringen, war vielleicht die geheime Absicht des Professore Lucio Viatori, der in den Erzählungen seines Gärtners Stefano Morsolin, ein recht charismatischer Pflanzensammler war. Sie unternahmen Reisen nach England und quer durch Italien und fanden so zu dieser einzigartigen Synthese von englischen Formen und Sichtachsen, die mit italienischer Gestaltungsfreude und Farbenpracht einhergeht. Aus einem einst auf Rhododendron und Azaleen hin angelegtem Garten entwickelte sich peux en peux die heutige Terrassierung und Vielfalt von mehr als zehntausend Pflanzen mit jeweils mehr als vierzig Varianten von Zierkirschen, Hortensien. Deuzien, sowie über einhundert verschiedene Peonien u.a. aus Tibet und den unvergleichlich schönen Magnolien Varianten (angeblich über 200 Expl.)auf die noch einige späte Blüten deuten. Dabei auch zwei 40 Jahre alte Gingko, ein gerade blühender Jacaranda und in voll-weisser Pracht  sich ausbreitende Cornus Chosa und der kalifornische Flieder, Ceanothus Victoire in feinen Indigo-Blautönen. Ein enormer Tulpenbaum aus Kanada liefert Schatten für Gespräche vor dem Haus. Unsere stella guidante (Leitstern) durch die Gärten, Marina Biasutti, kennt die Familie und den Garten Viatori seit Ihrer Jugend und von kann viele Details über die Entstehung und Beflanzung erzählen. Für den engagierten Gärtner Stefano Morsolin reflektiert dieser Garten neben der Beschäftigung mit den Gestaltungsprinzipien der großen Landschaftsgärten gleichermaßen eine Auseinandersetzung mit den exotischen Pflanzen des zerstörten Parks von Dubrovnik oder des Botanischen Gartens von Padua.

 

 

Beim Rendevous der alten Rosensorten
Voller Überraschung ist der Roseto der Signora Eleonora Garlant die, so scheint es, mit Liebhabern und Experten aus der ganzen Welt in Kontakt steht. An einem von Nieselregen begleiteten Mittag durchschreiten viele bunte Regenschirme den fast in voller Blüte sich zeigenden Rosengarten. Flache, tiefe, weite, wirbelige Rosenkelche

laben sich an dem Regen und geben, Tropfen durchwirkt, ihrer ephemèren Erscheinung einen unvergesslichen Ausdruck.

Das Klima ist hier etwas frischer und feuchter (Regen der nahen Berge) als in Gorizia und ihre Gartenkreation mit alten, wiedergefundenen zum Teil über 200 Jahre alten Rosenpflanzen scheinen hier genau das richtige Habitat gefunden zu haben.

Oder viellicht sollte es besser heissen: die alten Rosen haben in ihrer an den Himmel gewandten Hoffnung in vergessenen Gärten und Villen nicht ins Vergessen zu geraten …. finalmente in der Signora eine vitale Hilfe zur Stufe in dieses Jahrhundert gefunden?

Ist die Signora Eleonora – nur unterstützt von ihrem Mann Valentino und ihren Sohn Dino – vielleicht eine gute Fee, die insgeheim und in der Kommunikation mit ihren Rosen versunken, frühmorgens durch ihren Roseto schreitet?

Was wohl Monsieur François Joyaux der fanzösischen Association der rosa gallica gedacht haben mag, als er hier zu Besuch, durch die zunächst engen und unübersichtlichen Eingangspartien in den Garten kam?

Gewiß, der Maßstab “ordentlicher Rosengärten” kann hier nicht angelgt werden. Aber vielleicht lassen sich dafür andere Qualitäten ausmachen?

Dem auseinanderfallenden Wuchs der zahlreichen  Centifolie – besonders hübsch die moosgrüne “centifolia Muscosa” mit ihren Öldrüsen und krausem Blattwuchs – der Gallica und anderer nicht so leicht in einen „ordentlichen Garten“  sich einfügenden kletternden Sorten wird hier viel Raum gelassen; hoch aufgebunden oder an Bäumen und Rahmen wuchernd. Bereits am Eingang überrascht ein in kein Foto passender Baum mit weiss glänzenden Rosenbehang der geschätzt, gut zehn Meter hoch ist. Symbiotische “Wachstumsgemeinschaften” mit Glyzinien und Fruchtbäumen zeigen, dass es anscheinend auch ohne Wurzelkonkurrenz geht. Ganz zu schweigen von der Nähe der sich oft nach Licht und Sonne dehnenden, eng benachbarten rankenden und als “cascata”, Wasserfall, erscheinenden Rosen.

Viele Solitäre begegnen sich auch im schlauchartigen Verlauf des Gartens, aber durchaus in angemessenen Abständen – immer in einer Harmonie, die kurz vor dem Überschwelligen steht.

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Ort der Vergangenheit – und in die Moderne

In der Osteria di Villafredda empfängt eine lange Tafel in einem angnehmen Ambiente die Gruppe. Die im Michelin verzeichnete Küche hält was sie verspricht – delikate Antipasti und einen feinen Spargel-Risotto, ein Lavendel-Sorbet zum Nachtisch.

Über di tempi passati und die schwierige Aufgabe einen mittelalterlichen Borgho von Ende des 14 Jh. vorbei an Kriegen und räuberischen Einfällen, Erdbeben und Landreformen in die Gegenwart in privater Initiative zu führen, weiss Gian Giuseppe Liruti der alten Familie Liruti-Biasutti des Borgho Villafredda zu berichten. Die Familie stellte in napoleonischen Zeiten sogar den Bischof von Verona. Antonio Natale Liruti (1773-1812) war ein Bekannter Advocat und Dichter seiner Zeit.

Bei einer intensiven Führung durch die privaten Räume über knirrschende Holzfussböden, weiten Korridoren und großen Fenstern zum Hof, vorbei an der Patina alten Mauerwerks gelangen wir in den Garten. Beete mit alten Rosen, Stauden und Peonien sind klar gegliedert wie die alten Rotbuchen auf dem großen Umschwung. Der Pflanzen verständige Bruder des Conte gibt Auskunft über die von ihm gepflegten Rabatten.

Auch im nahen Moruzzo, im Garten von Maria-Paola und Daniele Parmeggiani hat der Sommersturm von 2017 Spuren hinterlassen, die gleich im letzten Herbst mit neuen Ideen übertüncht wurden. Etwa eine moderne Filteranlage für den Gartenteich auf zwei Ebenen und neue Uferpflanzen. Der elegante Garten mit vielen Acidophyten hat ausserdem eine foliengschütztes neues mediterranes Beet, u.a. mit leuchtenden Zistrosen, Myrtaceae, seltene Salbei-Varianten, erhalten. Aus der Ferne leuchten von hier riesiger, von blauen Sternen umrundeter Kugellauch. Der Besuch in Moruzzo unter den letzten Sonnenstrahlen des Tages schliesst mit einem Apero und einem verträglichen Rosso aus regionaler Produktion. (LR)

 

 

PS Welche Gärten wohl RMR gefallen hätten?

 

“Rose, oh reiner Widerspruch, Lust,

Niemandes Schlaf zu sein unter soviel

Liedern  (R.M. Rilke)