Reisebericht Pelion

von Dr. Markus Phlippen

Glücklich und beseelt sind wir nach einer Woche Wandern, Botanisieren und Gärten besuchen von dem Ort zurückgekehrt, wo die Götter Urlaub machen: Pelion, eine Halbinsel im nordwestlichen Griechenland ist im Frühling ein wahres Füllhorn an Wildpflanzen und ein Hot Spot für wilde Orchideen. Bereits am ersten Tag fanden wir wenige 100 Meter hinter dem traumhaft gelegenen Hotel „Lagou Raxi“ am Pagasitischen Golf Orchis-, Serapias- und Ophrys-Arten, die vor Ort genau bestimmt wurden. Zahlreiche blühende Wildkräuter verliehen den Raritäten den gebührenden Rahmen.

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Kein Wunder, dass von Tag zu Tag unsere „Kalderimi“-Wanderungen auf alten Eselspfaden immer intensiver wurden, um in alter Tradition ausgiebig zu botanisieren. Nach sieben Tagen blickten wir auf eine lange Pflanzen-Liste zurück, darunter viele Orchideen, aber auch botanische Kuriositäten wie der parasitische Zistrosenwürger (Cytinus ruber) oder eine etwa 1 Meter hohe Drachenwurz (Dracunculus vulgaris). Abgerundet wurde die botanische Vielfalt durch äußerst seltene Insekten, wie das „Wiener Nachtpfauenauge“ (Saturnia pyri), dem größten Falter Europas!

 

Selbstverständlich gehörte auch ein Blick in herrliche Privatgärten zu unserer Reise. Vier abwechslungsreiche Gärten an unterschiedlichen Standorten standen auf dem Programm. Der Pelion bietet durch seinen zentralen Nord-Süd verlaufenden Höhenzug verschiedenste Mikroklimata. Wir lernten, wie man als Gärtner mit den Klima- und Bodenbedingungen vor Ort umgehen muss, damit Gestaltung und Pflanzenvielfalt harmonieren. Wenn man von seinem Garten direkt ins Meer springen kann, hat das einen ganz besonderen Reiz und man kommt dem Paradies schon ziemlich nah. Überhaut fiel das Wort „Paradies“ sehr viel häufiger, als an anderen Orten. Der Pelion ist nach wie vor ursprünglich, üppig und geheimnisvoll.

 

 

Krönender Höhepunkt war der Besuch des kleinen Orchideen-Forschungszentrums von Professor Dimitrios Ikonomidis im nördlichen Pelion (Kerasia). Hier wurden wir mit der erstaunlichen Blütenbiologie der Orchideen auf sehr anschauliche Weise vertraut gemacht. Anschließend führte uns Dimitrios zu drei besonderen Orchideen-Standorten im Gebirge.

 

Schließlich wurde jeder Tag mit einem herrlichen Lunch abgerundet. Die abwechslungsreiche griechische Küche füllte unsere Energiereserven wieder auf und gab weitere Impulse für Gärtnergespräche. Ein kulturelles i-Tüpfelchen war schließlich der Besuch einer 400 Jahre alten, orthodoxen Kirche mit atemberaubenden Fresken.

 

Wer den Pelion im Frühling besucht, kann wirklich behaupten, einen Schritt ins Paradies getan zu haben.