Reisebericht Ferner Osten Russlands

“Botanische Reise in das Land des Amurleoparden”

Ziel der Studienreise der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft war im September diesen Jahres der Ferne Osten Russlands.

Mit der touristischen Organisation der Fahrt war das Ahaus Fachunternehmen Laade Gartenreisen betraut.

In Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftlichen Hochschule von Ussurijsk und dem Kustos des forstbotanischen Gartens der  technischen Universität Dresden Dr. Ulrich Pietzarka konnten streng geschützte Naturgebiete um die fernöstliche Metropole Waldivostok besucht werden.

Die Region Primorje (übersetzt: Küstenregion) am Pazifik liegt auf der geografischen Höhe von Florenz. Die Pflanzenvielfalt zwischen Pazifik und Sichote Alin Gebirge wird im Sommer durch warme Monsunwinde aus dem Süden und  im Winter durch kalte sibirische Winde beeinflusst. Auf der Fläche von 2 Fußballfeldern kommen oft bis zu 60 verschiedene Baum und Gehölzarten sowie mehrere hundert verschiedene Stauden und Lianen vor. Die Urwälder der Region werden kaum bewirtschaftet. Die Baumexperten wanderten durch lichte parkähnliche Wälder und lernten Heilpflanzen wie die stachelbewehrte Baumkraftwurz Kalopanx und das Rhododendrongewächs Ledum kennen lernen, dass in der homöopathischen Medizin von Bedeutung ist.

Ca. 2000km wurden während des 10 Tage dauernden Besuches zurückgelegt um seltene Pflanzen
wie die Kaisereiche, japanische Eiben und die Heilpflanze Ginseng am Naturstandort zu erleben.

Während zweier Empfänge durch die Landwirtschaftliche Hochschule Ussurijsk wurde die Vertiefung des wissenschaftlichen Austausches zwischen russischen und deutschen Botanikern besprochen.

Christoph Laade, Inhaber von Laade Gartenreisen, war selbst Teilnehmer der Reise.
Laade war beindruckt von der grenzenlosen Weite der Wälder und Auenlandschaften und von der Gastfreundschaft der russischen Einlader.

Prächtig war die Herbstfärbung der Walder, die sich in der zweiten Besuchswoche einstellte.

Land des Leoparden – Tigerfest

Die Fahrten über Land hier sind überwältigend. Die Straße A189 nach Süden führt am Rande der weiten Auen des Ussuri Flusses. Nach China sind es Luftlinie 20-50 km. Blickt man nach Westen aus dem Bus deuten unendliche Gras u. Schilfflächen, und unbezwungen mäandernde Flüsse auf das Überschwemmungsgebiet des Ussuri hin. Nach Osten zeigt das Gelände langsam an. Weite Flächen von silbern leuchtendem Chinaschilf werden gesäumt von breiten Streifen von Beifuß, dessen würziger Duft in den Abendstunden die Luft erfüllt. Zum Horizont hin erheben sich Laubwälder.

Obgleich weite Strecken unbesiedelt, sind die Eingriffe durch den Mensch unübersehbar.  Die Wälder werden auf den ersten Blick hin kaum genutzt. Aus den einstigen Mischwäldern wurden jedoch die Nadelgehölze und Linden entnommen.

In dieser  auf der Höhe von Florenz liegenden Region zwischen Meer und Gebirge konnte sich über Jahrhunderte weitgehend unberührt, eine wunderbare Vielfalt der Flora und Fauna entwickeln. Hier begegnen sich Arten aus subtropisch südlichen und arktischen Gefilden. Feuchtigkeitsliebende Arten des Küstensaumes treffen auf Arten der Gebirgsflora.

Koreazirben -Mischwälder

940 Pflanzenarten wurden hier im Nationalpark Kedrovaya Pad erfasst,  darunter voreiszeitliche Arten wie die graulaubige Waldbirke Betula schmidtii. Diese Koreazirben – Laubmischwälder weisen auf der Fläche eines Fussballplatzes oft bis zu 60 verschiedene Gehölzarten und mehrere 100 verschiedene Kräuter auf, das entspricht der Vielfalt an Pflanzen wie sie vom Nordkap bis zum Alpenrand zu erwarten ist.

Im Bericht: „Der Weg ist das Ziel – Die Urkraft des Ginsengs“ dazu mehr.

Die Vielfalt der Pflanzenwelt spiegelt sich in der Vielfalt der Tierwelt.

Nationalpark Land des Leoparden

Die Strasse A189 begrenzt ein 150km langes Schutzgebiet. Über 300.000ha stehen unter Schutz, eine Fläche von der Größe des Saarlands.

Dank intensivem Schutz seit über 100 Jahren, die Kernzone hat seit 2012 den Status Nationalpark (im russischen Zapovednik), kommen Wölfe, Braunbären, Kragenbären, Amur- Tiger und Amur- Leoparden vor. Die Vielfalt der Beutegreifer deutet auf einen reichen Wildbestand mit Wildschweinen, Hirschen, Rehen und dem Moschustier, einem Reh mit hervorstehenden Eckzähnen. Insgesamt kommen hier 56 Säugetierarten, 203 Vögel, sowie 3000 verschiedene Insekten, darunter viele tropisch farbenfrohe Laufkäfer und Schmetterlinge vor.

In ihrem Bestand durch Wilderer besonders bedroht sind die mittlerweile 57 Leoparden und ca.500 Tiger. Beide Arten sind leider für die traditionelle chinesische Medizin von großer Bedeutung. Im angrenzenden chinesischen Schutzgebiet kommen nur noch einzelne Leoparden vor,  während sich auf russischer Seite der Bestand von 30 Tieren in den 90 iger Jahren dank strengem Schutz erholt hat.

13 Ranger (im russischen Jäger genannt), die, wie man hört, nicht zimperlich mit ihrer Waffe umgehen, sorgen für den Erhalt der Großkatzen. 4 wissenschaftliche Mitarbeiter erfassen Mithilfe von Fotofallen und spezieller Software jedes einzelne Tier. Dies ist durch die individuelle Fellzeichung der äußerst scheuen Tiere möglich. Wichtig ist die beidseitige Erfassung der Tiere mit zwei Kameras, da linke und rechte Seite des Fells unterschiedlich sind.

Tigerfest in Wladivostok

Wir hatten das Glück Wladivostok am Tag des Tigerfestes zu besuchen. In den Straßen der modernen Stadt mit 600.000 Einwohnern laufen dann Kinder mit Tigermasken und Tigerballons herum. Auf dem zentralen Platz oberhalb des Hafens kann man sich schminken lassen, vor Tigerbildern fotografieren lassen und Informationen erhalten. Dazu, wie kann es wohl anders sein, dröhnt laute Musik – vielleicht um  echte Tiger abzuschrecken?
Es war schön zu erleben, welchen Wert der Tiger für die Menschen der Region Primorski Krai (übersetzt: Vor dem Meer) hat.

Druschba – Wodka – Nostrovje – Druschba

Im Lehrrevier der staatlichen Hochschule der Region Primorje begrüßt der Rektor der Landwirtschaftlichen Universität Ussurijsk André Komin die Leiter unserer Gruppe Prof. Dr. Peter Schmidt und Dr. Ulrich Pietzarka sehr herzlich.
Verschiedene wissenschaftliche Exkursionen haben die Wissenschaftler aus Dresden bereits vorher in den fernen Osten Russlands geführt.

Im Hintergrund wurden schon die Kessel für Suppe und gegrillten Fisch befeuert. Unter Kiefern standen Tische bereit. Nach einem  (wie üblich spannenden) Gang durch den forstbotanischen Garten konnten wir Platz nehmen. Zu Gemüse, Salat, Suppe, Schinkenspeck, Wurst und einem prächtigen gegrillten Karpfen erschienen auch etliche Flaschen Wodka auf dem Tisch.

Nun begann die Zeremonie. Rektor André Komin brachte einen recht kurzen Trinkspruch auf die Besucher aus und die langjährige Verbundenheit der TU Dresden und der Akademie Ussurskij. Rektor André ließ durch die Dolmetscherin Olga ausrichten, das nur volle Gläser Nostrovje würdig seien.
Noch konnte nicht jeder die hastigen Zeichen Andre´s beim Einschenken des Wassers des Lebens deuten. Klar wurde jedoch sofort:  diese Feierlichkeit hat ihre genauen Regeln. So durfte der Wodka nur mit der rechten Hand auf stehende Gläser eingeschenkt werden.

Den zweiten Toast erhob Rektor André auf die Männer. Mit leerem Magen wollte ich, noch nicht so viel Alkohol trinken und schenkte mir Wasser ein. Ein unverzeihlicher Fehler. Rektor André bemerkte den Unterschied im Halbdunkel auf 3m Entfernung und verweigerte das Nostrovoje.

Der dritte Trinkspruch galt nun den Frauen, danach wurde die Freundschaft zu Peter Schmidt dann die Freundschaft zu Ulrich hervorgehoben. Die Trinksprüche, stets von Rektor André vorgetragen gewannen an Länge.  Anekdoten früherer Besuche sorgten für Erheiterung bei den Gästen und sorgten für leichten Widerspruch bei den Betroffenen.

Peter wurde eine besondere Ehre zuteil: Auch er durfte einen Trinkspruch ausbringen. Danach kam Ulrich an die Reihe. Wer meinte, das jetzt die Bühne frei wäre für  Allgemeinheiten sah sich getäuscht. Rektor André nahm das flüssige Zepter wieder in die Hand und ließ es sich für den Rest des Abends auch nicht mehr nehmen. Ich war übrigens bekehrt und becherte nun ( vielleicht nicht immer aus vollen Gläsern ) doch so manchen Wodka. Und oh Wunder, keine Bienen schwärmten im Kopf aus, sondern eine freundliche Klarheit entstand.

Rektor André gedachte derweil der Freundschaft zwischen Russland und Deutschland.

Im Weiteren wurde bei erhobenem Glas ausführlich auf die Bedeutung des Waldes für die Menschen und die Erde hingewiesen. Es war schon dunkel und feuchte Kälte zog auf, als Rektor André vom Besuch eines Kosmonauten in der Baumschule erzählte. Der Kosmonaut berichtete, dass es aus dem All so schien als könne er den kleinen Planeten Erde in die Hand nehmen. Ein Toast auf die ganze Erde und unsere Verantwortung für  das Leben wurde ausgebracht.

Wunderbar dachte ich, mehr ist nicht mehr möglich, nun können wir langsam aufbrechen.

Ein langer Trinkspruch folgte mit der wiederholten Aufforderung wieder zu kommen. Inzwischen konnten wir schon im Chor mit Druschba (Freundschaft) antworten.

Gisela eine gute Sängerin aus unserer Gruppe sang: „Sah ein Knab ein Röslein stehn“

Wer meinte der Höhepunkt des Abends sei erreicht, mag Recht gehabt haben, sah sich aber getäuscht in der Annahme, dass nun der Aufbruch folgte. Rektor André hatte noch ein Ass im Ärmel:

Er bat nun alle Teilnehmer sich kurz vorzustellen. Zu jedem hatte er ein freundliches Wort, bei jedem drittem wurde das Glas gehoben. Zwischendurch durfte der zurückhaltende Assistent Sascha zur Gitarre greifen und bereicherte der Stimmung mit den Zutaten gutes Essen, Grillluft, Druschba mit warmen und beschwingten russischen Liedern.

Zum Abschluss trug Gisela noch ein russisches Lied und „Kein schöner Land“ vor.
Beschwingt aber keineswegs schwankend ging es durch die sternenklare Nacht zurück zum Bus.

Der nächste Morgen war problemfrei. Kein Kater, keine schwere Müdigkeit.
Wir hatten ein weiteres Stück Russland kennen gelernt.

Der Weg ist das Ziel: Die Urkraft des Ginsengs
Brotbaum Koreazirbel

Rudolf Schröder hat in seinen 23 Jahren als technischer Leiter des botanischen Gartens von Dresden immer wieder versucht eine Pflanze des echten Ginsengs ( Panax ginseng ) zu bekommen. Es ist  ihm nicht geglückt. Immer wieder erhielt er falsche Pflanzen, der schwer zu kultivierenden Pflanze.
Auch gelang es ihm und Kollegen nie einen der legendären Ginsenggärten im Kaukasus zu besuchen.
Dr. Ulrike Bertram vom botanischen Garten in Bamberg konnte einmal 2 Ginsengsamen erhalten. Die Pflanzen wuchsen gut heran, entpuppten sich aber  als Leibspeise der Schnecken und verschwanden im 3 Jahr. So war für beide der 6km Marsch quer durch den Wald (plus 5km über eine schlammige Strasse) zu einem Naturstandort des Ginseng  im Ussuri Nationalpark ein fröhlicher Spaziergang.

Der wissenschaftliche Name Panax bedeutet Allheilmittel. Die Liste der segensreichen Wirkungen des Ginseng scheint endlos: Bei Thrombose, Aids, Diabetes, Krebs, Abwehrschwäche, Haut- und Haarproblemen sowie Impotenz soll die Wurzel helfen. Asiaten schwören seit Jahrtausenden auf ihre heilende Kraft. Wissenschaftlich bewiesen ist die Wirkung der staudigen Aralien nicht.

Ein Gramm einer frischen schwarzen Ginsengwurzel wird heute auf dem Schwarzmarkt,  denn nur dort ist die begehrte Ware überhaupt erhältlich, mit mindestens 5 Dollar /gr bezahlt. Besonders hohe Preise erzielen Wurzeln, die eine menschenähnliche Gestalt aufweisen. Diesen wird in der traditionellen Medizin eine besonders hohe Heilkraft zugewiesen.

In Gartenkultur werden die Wurzeln des Ginseng weiß. Findige Händler legen deshalb die Gartenwurzeln in Tee ein um sie schwarz zu färben.

Roman, der Ranger der Nationalparkverwaltung hält mitten im Wald an einem Baum in den ein großes X geschnitzt ist. Dies ist ein  Zeichen von Einheimischen um  die seltenen Ginsengplätze  wieder zu finden. Roman nutzt ein Geodatengerät um die Pflanzen zu finden.

Wieder geht es über kaum genutzte Pfade  durch den Koreazirben Urwald.

Unterwegs zeigt uns Roman wie aus den handgroßen Zapfen der im russischen Kedr ( = Zeder) genannten Korea –Kiefer (Pinus koreaensis) die nussig harzig schmeckenden Samen gewonnen werden. Der Zapfen wird kräftig über einen Gitterkasten gerieben. Kerne und Spreu gelangen auf ein Sieb, durch das die Kerne geschüttelt werden. Immerhin 150 Rubel also € 2 kostet ein Kilo der eiweißreichen Samen auf dem Markt.   Für Schweine, Rehe, Bären und Nagetiere sind die Samen  in den langen Wintern überlebenswichtig daher wird die Zirbe auch Brotbaum des Waldes genannt.

Der erste  Ginsengplatz im Wald ist bereits geplündert. Auch strenge Verbote hindern kundige Einheimische nicht daran, die Pflanzen aufzuspüren. Es wird vermutet dass die Fundplätze von Generation zu Generation weiter gegeben werden. Auch wird wohl eine Bewirtschaftung der Pflanzen betrieben indem ein Teil der Wurzel an zusagenden Stellen wieder ausgepflanzt wird. Dann muss man allerdings 10 Jahre warten um gewinnträchtig ernten zu können.
Wieder ging es über Wurzeln, glitschige Hänge, einen Bachlauf, über Baumstämme entlang der stacheligen Triebe des Teufelskrückstock (Aralia elata) bis Roman schließlich in  die Knie ging und auf 3 gelbe Blätter wies. Wir hatten es geschafft und konnten die letzten diesjährigen Lebenszeichen der Staude mit hunderten von Kameraklicks  huldigen.

Der Schatz des Urwaldes

Natürlich haben wir keine Wurzel ausgegraben.
Was aber nimmt man mit aus dem Urwald am Pazifik? Warum nimmt solch man beschwerliche Wege auf sich?  Ausgetretene Fußwege durch den Wald sind weder vorhanden noch notwendig. Ein Urwald ähnelt nämlich eher der lichten Baumwiese einer Parkes.

Auf der Fläche von 2 Fußballplätzen können bis zu 60 verschiedene Baumarten und hunderte verschiedene Stauden und Farnarten vorkommen. Dazu Lianen wie der Amurwein (Vitex amurensis)
Kiwi oder die im russischen Limocella genannte Beerentraube ( Schisandra chinesis ) deren Früchte wir geerntet haben. Der Geschmack der roten Beeren ist vielfältig. Ein wenig bitter, ein wenig scharf wie Pfeffer, ein wenig süßsauer wie unreife Johannisbeeren. Wer einmal gekostet hat sucht dieses Geschmackserlebnis immer.

Für die Stoffverwertung in dem komplexen Ökosytem sind Moose (252 Arten), Algen (210), Flechten (118) und Pilze (1363) zuständig. So wird das Holz umgefallener Bäume wieder dem natürlichen Kreislauf zugeführt.

Wegen der großen Vielfalt ist es auch nicht verwunderlich, dass man einzelne Arten nicht in großer Stückzahl antrifft. Jede Pflanze kann sich gegenüber den vielen anderen nur an der Stelle behaupten an der die Rezeptur aus  Licht und Schatten, Bodenart und Nährstoffcocktail sowie der Wassermenge genau passt.

So wurde ich von kundigen Mitreisenden auf einen Eisenhut am Wegesrand aufmerksam gemacht, dessen Saat schon abgeerntet war. Die Hoffnung eine weitere Pflanze zu finden wurde vorerst nicht erfüllt. Ich werde also weiter die Augen offen halten.

 

Bären, Eiben und Laserschwerter im Wald von Ussurijsk

Botanikern ist auf der Suche nach besonderen Pflanzen kein Wasser zu tief, kein Meer zu stürmisch, kein Berg zu steil, kein Weg zu matschig und kein Wald zu tief.

Als besonders gilt eine Art, wenn Sie in der Region ihre Wiege hat, hier also endemisch ist. So besuchten wir nach kurzem steilem Aufstieg Vorkommen des recht unscheinbaren ussurischen Blasenstrauches (Caragana ussuriensis). So schöpft der Botaniker seine Leidensachaft direkt aus der Quelle der Schöpfung.

Wir hatten das Glück verschiedene Schutzgebiete besuchen zu können. Schutzgebiet bedeutet, dass ein Besuch angemeldet werden muss und durch qualifizierte Begleiter der Landbauakademie
(Akademie entspricht unserer Hochschule) Ussurijsk begleitet wurde.

Im Ussurijski Zapovednik (Naturreservat von Ussuri) hatten wir neben unseren ständigen drei Reisebegleiterinnen der Dekanin Dr. Olga Prihodka, Dr. Olga Stylnik und Übersetzerin Evgeniia Zhenevskaia 3 weitere Begleiter vor Ort nämlich: den Ranger Roman, die Botanikerin Swetlana sowie Forstprofessor Usu.

Eiben im Schutzgebiet Kamenshuka

Beschwerlicher war der Besuch von Vorkommen der japanischen Eiben (Taxus cuspidata) im Schutzgebiet Kamenshuka.

Da Eibenholz auch im fernen Osten sehr begehrt war, konnten sich Restbestände der Art nur in abgelegen Gebieten erhalten. Nach sehr bewegter Fahrt über eine schlaglochreiche Piste erreichten wir die Kuppe eines Hügels. Von hier aus führte uns Roman mit Hilfe eines Geodatengerätes ca. 3km quer durch den Wald zu 3  ca. 300 Jahre alten ca.12m hohen recht dünnen Bäumen. Es schien als hätte jemand die Bäume bis auf 4m Höhe aufgeastet. Tatsächlich reiben sich Bären und Tiger gern an den Eiben. Woher die Vorliebe für diese Pflanzen stammt ist unbekannt. Vielleicht helfen Sie jedoch ähnlich wie Vögel die spärlichen Vorkommen der Eiben durch Samentransport genetisch zu vernetzten.

Erfreulicherweise zeigte sich an dieser Stelle reichlich Nachwuchs. Der Bestand hier dürfte also stabil sein, da der Genaustausch durch die Zweihäusigkeit der Pflanzen gegeben ist. Bisweilen waren die aufrechten Triebe der Jungpflanzen abgestorben, mag sein durch zu hohe Schneelast.
Ungeklärt ist auch, warum sich die Pflanzen in dem Schutzgebiet nicht viel stärker ausbreiten. Eiben haben jedoch viel Zeit, sie können mehrere hundert Jahre alte werden, da langt es, wenn eine Pflanze einige wenige Sprösslinge hervorbringt.

Laserschwerter im Urwald
wir bewegten uns in diesem Urwald ebenso über Stock und Stein wie über hohle abgestorbene Bäume. Dass der Wald lebt und seine Schutztruppen hat erlebten wir bei einem Hornissenangriff.

Jemand ist wohl auf ein Nest in einem hohlen Baum der rotköpfigen Großwespen getreten. Sogleich schwärmten die Tiere aus und  stachen 5 Baumfreunde. Auch ich bekam einen Satz heißer Ohren. Als Kind hatte ich gehört, das 7 Hornissenstiche ein Pferd töten könnten und drei einen Menschen. Das sind Ammenmärchen, die dazu dienen allzu forsche Kinder zu zügeln. Ich habe als siebtel Pferdeportion drei messerscharfe Stiche überlebt. Über 300 Stiche der orientalischen Wespe sollen tödlich sein.

Überlebt habe ich die Stiche natürlich auch wegen der Vierfachbehandlung durch kundige Mitreisende. Zunächst wurde das Gift durch ein heißes Feuerzeug gebannt, dann durch Wodka (äußerliche Behandlung) schließlich durch Ledum Kügelchen sowie Wundsalbe.

Auch die Hornisse selbst überlebt im Gegensatz zur Biene. Die Hornisse kann ihren Stachel  wieder herausziehen und pumpt ihr Gift nicht gänzlich ab wie die sterbende Biene. Der Eindringling soll nur abgeschreckt werden und samt seiner Sippe die Stelle meiden. Was nutzt den Hornissen schon ein totes Pferd neben ihrem Nest? Das zöge nur weitere störende Besucher nach sich.

Unbedrängt erweisen sich Hornissen im Übrigen als sehr friedliche Zeitgenossen, die uns als Insektenfresser z.b Fliegen vom Leib halten.

Essen in Russsland

Märkte

Am Straßenrand waren immer wieder Stände mit Honigmelonen und Wassermelonen zu sehen, die teilweise schon in den frühen Morgenstunden unter Scheinwerferlicht geöffnet waren.
Auf Wochenmärkten werden Tomaten, Kartoffeln, Gurken, Zwiebeln und Paprika aus eigener Produktion angeboten. Einmal sahen wir auch ein Schild: einheimische Ware nicht aus China. Gesammelte Samen von Koreazirben, Hagebutten von Rosen und Meidorn liegen zum Verkauf ebenso aus wie die knallroten bitteren Beeren des Schneeballs und der Schlingpflanze Schisandra.  Die kleinen “Beeren der fünf Geschmäcker” (Wu Wei Zi) schmecken tatsächlich sehr ungewöhnlich.  Sie sollen kräftigen, das Gedächtnis, die Sehfähigkeit und das Gehör stärken und nicht zuletzt auch die Libido von Mann und Frau. Ihre leberstärkende Wirkung ist sogar in medizinischen Studien nachgewiesen worden. Insgesamt gelten Schisandra-Beeren als Jungbrunnen, mit deren Hilfe man ohne Alterserscheinungen sehr alt werden kann. Bittere Medizin ist nun mal die Beste.
Für die Zubereitung von Tee gibt es getrocknete Kräuter und Baumschwämme. Aromatischer Honig ist reichlich vorhanden und wird nach Blütentracht sortiert angeboten.

Gemüse und Früchte werden eingemacht und in großen Gläsern präsentiert.

Essen im Hotel

Das Dinner im ersten Hotel war sehr reichhaltig.  In Russland ist es Sitte wie bei einem Familienessen stets neue  Speisen  zu  servieren, wobei nichts weggeräumt wird,  sodass der Tisch bald übervoll ist mit Tellern. Zunächst gab es kalte Speisen. Fisch, Jakobsmuscheln, eingelegtes Gemüse, Salat und Dipps aus Joghurt und Tomaten. Dann Kartoffelschnitze, Brot, Buchweizengraupen, weiteren Fisch und als Höhepunkt die langen Beine der Kamtschatkakrabbe. Sehr köstlich. Als man dachte jetzt geht nichts mehr wurden noch drei Fleischgänge  aufgetragen. Der Nachtisch ist eher übersichtlich: Blinis, kleine Pfannkuchen mit Apfelmus und Tee.

Zum Frühstück werden auch etliche warme Gerichte gereicht,  sowie Müsli, Brot und süßes Gebäck.

Essen unterwegs

Zum Mittag wurde 2x ein Restaurant in der Nähe des Leopardenzentrums angefahren.

Es gab Bortsch, eine klare Suppe mit Kohl, Kartoffeln und Fleisch, dazu ein klecks saurer Rahm. Dann ein Teller mit gebratenen Kartoffelstiften mit Pilzen und Petersilie. Als Nachspeise Blinis und Tee.

Am So 24.9 wurden wir sehr verwöhnt. In Wladivostok kehrten wir in ein schickes Lokal ein.

Zunächst wurden Eckchen mit rote Beete und Rahmkäse gereicht, umspielt von leckerem grünen Pesto. Dazu gab es Tee. Der zweite Gang ließ etwas  auf sich warten, war dafür ganz besonders angerichtet. Die Bortschsuppe wurde in  einem ausgehöhlten Kastenbrot mit knuspriger  Kruste serviert.
Der Boden des Brotes war wohl  mit Käse oder Ei imprägniert. Herrlich ! Danach hakte ich ab. Es  gab noch Geschnetzeltes und  anschließen Kuchen oder Eis. Bemerkenswert ist wohl, dass wie schon am Vortag nicht jeder aus der Gruppe die gleiche Suppe und Beilagen bekam.

Restaurants in Ussurijsk

Zum Dinner in Ussurijsk werden wir in unterschiedliche Restaurants geladen. Auch hier wird Platte nach Platte aufgefahren. Ich wollte schon nichts mehr essen. Probiert habe ich dann aber doch. Am ersten Abend Zuchinis, gewürzten Reis, Hackstäbchen und feine dünne Steaks. Da sich alles gemütlich streckte mundeten mir zum  Schluss auch wiederum Blinis mit festem Apfelkompott.
Überschlagen habe ich  Würstchen, Rippchen, Hammelkotlett und manches mehr.  Es gab insgesamt 12 -16 verschiedene Gerichte.

Am Sonntag waren wir in einem Restaurant in dessen Foyer ein mongolischer Reiter in den Saal weist. Ein schwarzer Mantel mit goldenem Rand sowie einer goldenen Kippa hing bereit für ein Dschingis Khan Selfie.

Im Speiseraum waren Sofas in weißen Tönen um die Tische aufgestellt. Zu einem modernen russischen Restaurant gehören wohl recht viele Bildschirme auf denen Musikvideos  abgespielt werden. Wenn man Glück hat ist die Lautstärke der Musik erträglich. Im **** Teploe More Hotel wurde laut rauer russischer  Rock oder Hip Hop gespielt – zum Frühstück. – Wozu auch unterhalten, wenn man  eh schon nebeneinander sitzt.

Beim Mongolen wurden Oldies mit neuen Videos gespielt.

Auch hier wieder reichlich Essen, ca.15 Platten wurden aufgetragen.  Peter identifizierte die gut gewürzten Hackröllchen sowie die maultaschenähnlichen Nudelbeutel als georgische Spezialitäten. Aus dem Nudelteig wird zunächst ein Säckchen geformt, in das ein Fleischbällchen in Brühe gegeben wird. Nach oben wird der Teig verdreht,  sodass ein Griff entsteht. Der Kenner nutzt diesen Griff, muss aber gut achtgeben, dass einem die Brühe nicht auf das Hemd  läuft. Lecker war auch eine Reisvariation mit Kurkuma.

Morgen geht es zum Lehrrevier der landwirtschaftlichen Hochschule. Der Chef lädt in das Infozentrum, in die Baumschule und zum  Grillen.

Ich werde schon mal nichts frühstücken.

Ihr

Christoph Laade