Blühwiesen und Coronabeet

Blühwiesen am Aabach
Wir wohnen wunderbar am kleinen Flüsschen Aa, nachdem Ahaus benannt ist. Die Aa wird flankiert von Grüntreifen, die von der Stadt Ahaus stets pflegeleicht kurzgehalten wurden.

Zaghafte Blüten der Schafgarbe oder dem weichen Storchschnabel erfreuten uns meist nur kurz. Anstellen des Summens von Bienen erklang schon bald das Kreischen von schwerem Gerät.

Eine mail an das Bauamt der Stadt bewirkte jedoch Wunder. Der Bauamtsleiter kam zu einem Gespräch vorbei und zeigte sich bestens informiert über die Einsaat von Wildwiesen. Die Stadt hatte allerdings befürchtet, dass die Anwohner es lieber ordentlich hätten und daher nichts unternommen.

Beim nächsten Nachbarschaftstreffen wurden die blumigen Ideen vorgestellt. Lebhaftes Interesse bei allen Beteiligten. Die Nachbarn Barbara und Andreas hatten sich gerade zwei Bienenvölker zugelegt und waren begeistert. Eine Lehrerin schlug vor den Biologieleistungskurs der benachbarten Schule zu integrieren. Jungeltern freuten sich für ihre Kinder. Die Älteren erinnerten sich an einst blühende Äcker und Wiesen. Natur ist eben immer auch ein Stück Heimat.

Noch vor Ostern wurden die Flächen zweimal umgebrochen, damit die Grasnarbe geschwächt wird und die Neuaussaat eine Chance hat. Nach Ostern wurde eingesät. Jetzt soll alles wachsen.

 

 

Verkehrsinsel Coronabeet

Eine Verkehrsinsel vor unserer Haustür war jedoch zu klein für die Bearbeitung mit Traktor und Umkehrfräse. Schon seit Jahren wollte ich hier ein Staudenbeet anlegen, doch in der Hochzeit der Gartenreisen im Frühjahr fehlten mir einfach Kraft und Zeit um diese ca. 60m² große Fläche mal eben zu bepflanzen. Per Handschlag erhielt ich vom Baumamtsleiter die Patenschaft über den grünen Lappen.

Einige sportliche Tätigkeiten waren für meine Freundin und mich schon nötig, um aus dem Rasen ohne Zweck ein Blütenmeer zu zaubern:

Grasnarbe entfernen – 2 Tage

Umgraben,

Kompost einbringen und einarbeiten 1 Tag

Pflanzplan, Pflanzen teilen und besorgen 1 Tag

Pflanzen und angießen 1 Tag

Natürlich hätte auch alles schneller gehen können, doch immer wieder blieben Nachbarn stehen (2 m Abstand) und erkundigten sich was hier so vor sich gehe.

Dank Corona (Reisen planen dauert lange – Absagen geht ganz schnell) hatte ich ja Zeit.

So konnte ich meinen Coronafrust zeitweilig mit Schaufel und Spaten begraben.

 

Vorbereitung

Je ein Baumhasel steht an den drei Ecken der offenen Fläche. Zu hoch und dicht dürfen die Stauden nicht werden, damit die Sicht für Autofahrer nicht beschränkt wird. Um die Fläche blieb ein 50 cm breiter Grasstreifen stehen, als ruhiger Rahmen von dem aus man arbeiten kann. Der sandige Boden mit Schluffanteilen wurde mit 3m³ sterilem Kompost verbessert.

 

 

So soll es werden

Unbegrenzt soll die Pflanzung wirken: Große Gruppen von mindestens 8 Pflanzen einer Sorte tauchen an verschiedenen Stellen des Beetes auf. `You never walk alone´ singen die Fans vom FC Liverpool. Gestalten heißt: ordnen. Ordnung bedeutet beim Fußball gleiche Trikots und im Pflanzbeet sich gleichende Farben und Formen.
Die Ränder des Beetes werden von den Blütenwolken blauer Katzenminze und weißem Perlkörbchen, von aufrechtem violettem Ziest und den sich durch andere Pflanzen webenden, immer ein wenig nach Halt suchenden kußmundroten mazedonischer Witwenblume eingenommen. Zum Herbst hin überraschen niedrige Myrtenastern mit ihrem weißen Blütenmeer. Auf den trockenen Baumscheiben sollen sich genügsame Aster ageratoides, Bergenien und Wolfsmilch behaupten.

Falsche´ Töne gehören bei Fußballgesängen dazu und beleben das Pflanzenbeet. Ich habe mich nicht an Farbschemen orientiert, wobei der Regenbogen des Beetes vor allem von Blau und Weiß zu Rot spielt. Spannende Farbspiele entstehen von selbst. Wichtiger war die Höhenabstufung und der Wechsel von Pflanzen mit aufrechtem Wuchs wie Pfeifengras, Fackellilie oder Brandkraut mit wolkig wachsenden Blühern.

Von Piet Oudolf lernte ich auf unterschiedliche Blütenformen zu achten. Emporstrebende Blüten des Salbei kontrastieren mit den flachen Blütentellern der Schafgarbe, der wiederum vor der buschigen Indianerminze (Agastache) steht. Die kleinen länglichen Köpfe des Alliums sind formverwandt mit dem Brandkraut und straff wie Gras. Wie Diplomaten vermitteln sie zwischen aufrechten und runden Formen. Länger als die Blüten beeinflusst der Aufbau der Pflanze das Bild des Beetes.
Die lanzettlichen Blätter des Grases Imperata `Red Baron´ und die Horste der Fackellilien decken ordentlich wie in Mannschaftsaufstellung das Beet. Das straffe Pfeifengras scheint zu marschieren. Phlox wirkt selbstbewusst wie ein Abwehrhüne. Dagegen umdribbeln und verbinden Schafgarbe, Katzenminze, Astern und Perlkörbchen andere Pflanzen.
Auch im Winter soll das Beet noch was `hermachen´. Vor allem für die Insekten, die sollen sich nämlich ein Hälmchen zum Überwintern suchen, das Sie bei Brandkraut, Pfeifengras und Astern finden.

Struktur und Farbe bringen im Winter Kugeln von Buchsbaum und roter Berberitze. Beides Pflanzen, die in manchen Gärten der Nachbarschaft bisweilen wie alte Möbel herumstehen. So recht weiß man nicht was man damit will, aber trennen will man sich auch noch nicht. Hier sorgen beide für einen lockeren Rahmen. Bei der Pflanzung dachte ich an die Kraft des Buchsbaums, der auch sein Corona zu überstehen hat, nämlich den Zünsler. Dieser wurde in den letzten Jahren von den Meisen als Futter entdeckt und kann nicht mehr soviel Schaden nehmen.
Den Kugeln habe ich als Begleiter das Ponygras gesellt, das sich im Wind so schön wiegt.

 

 

Wie geht es weiter?

Die Pflanzung wird sich weiter entwickeln. So wird das kurzlebige Ponygras immer wieder an neuen Stellen auftauchen. Auch habe ich Judaspfennig gesetzt der sich aussähen wird. Im eigenen Kompost sind sicher auch ein paar Samen von Verbenen. Die Indianerminze wird sich schnell zu imposanten Pflanzen entwickeln, die sich beim näher rücken der Nachbarn verziehen werden. Das Brandkraut wird erstmal mickern (es scheint rumzumeckern, da es erst nach 2-3 Jahren kräftig blüht) um sich dann aber umso kräftiger zu behaupten.

Nun gilt es zu beobachten wie sich die Pflanzung entwickelt. Die Natur wird ihre Vorschläge machen, die ich verstehen muss, um eigene Gedanken einbringen zu können.

Das Gespräch ist eröffnet.

Schauen Sie vorbei, falls Sie mal in Ahaus sind:  Am Aabach / Liegnitzstrasse