Tanz um den Vulkan Arenal

Reisebericht Costa Rica von Christoph Laade

Unbekannte Stimmen

Wir übernachten im Arenal Observatory Lodge. Ich wache früh auf. Die unbekannten Vogelstimmen haben mein Interesse geweckt.

Ab 6 Uhr morgens zeigen sich immer mehr bunte Vögel um die Terrasse meines Lodges. Der Himmel ist bedeckt. Die hellen Wolken bekommen stets mehr Sonnenfarbe. In einem Strauch raschelt etwas, etwas katzengroßes schwarzes huscht durch die Zweige. Ein länglicher Kopf taucht auf, labt sich an den Früchten. Ein Nasenbär mitsamt seiner großen Verwandtschaft durchkämmt zunächst die Bäume, dann wechselt die Truppe mit erhobenem Schwanz das Gelände.

Gelbe Vögel mit dunkler Gesichtsmaske, Fliegenfänger haben direkt vor meiner Terrasse ihr Revier.
Papageien kreischen sich durch die Luft. Ein rotschopfiger Specht hämmert im Pagodenbaum.
Mitten im Nationalpark Arenal liegt die Unterkunft. Kein riesiges Hotel, sondern verstreut liegende kleine Gebäude, Lodges, beherbergen die Gäste. Der Weg zum Restaurant führt über eine Hängebrücke, komfortabel läuft man durch die Wipfel von Palmen. Aus der Ferne ruft dunkel wie ein großer Hund der Howling Monkey, der Brüllaffe. Die Klänge hier sind für mich ungewohnt, alle sind jedoch tierischer Herkunft. Kein Motorengeräusch, nichts nervend hochtouriges peitscht mich in den Tag.

Das helle, fast flüsterndes Klicken der Baumfrösche mit dem Grundton schräpige Grille trägt durch die Nacht. Irgendwo rauscht Regen. Ab und an Vogelrufe. Mal wie eine Amsel, dann ein Dreiklang als ob auf Holz geschlagen wird. Dann hektisches Quietschen wie von einem Plastikentchen. Dann ein Gurgeln wie auslaufendes Wasser. Geschwätziges Erzählen einer Drossel kommt hinzu. Erstes Licht.

Es kommt Leben in den Wald. Über 800 Vogelarten leben im Nationalpark.

Dämmerung gibt es kaum in den Tropen. Nach dem Sonnenaufgang um halb sechs ist es auch gleich hell. Immer mehr Vögel zeigen sich vor der Terrasse, die von einem Park umgeben ist. Breite Grashalme bilden den Rasen. Jedes Gehölz steht solitär. Ein Feuerwerk an intensiven Farben. Knallrote Hibiscus, das schon unwirkliche Rot, Violett und Orange des Croton, eines Wolfsmilchgewächses, daneben die blauen und weißen Blüten der Brunfelsia,   zwischen breiten Blättern versteckt die knallgelben Blüten des Ingwer, knallrote Blütenkolben des brasilianischen Strauches mit dem unausprechlichen Namen: Magnaskepasma, die riesigen Blätter des Elefanten ohres, die imposanten Fächer der Passagierpalme aus Madagaskar…. Alle finden Schutz unter ausladenden hellen Kronen von Akazien und den heimischen gelappten Blättern des Trompetenbaumes Ceropia.

 

Der Vulkan taucht auf

Die weißen Wolken beginnen zu leuchten wie Vanilleeis. Die Sonne zeigt was sie kann. Die Wolken lichten sich. Plötzlich erscheint mit dem aufziehenden Wolkenvorhang ein feldgroßes Stück dunkle Erde … über den Baumkronen. Der Kegel des Arenal schält sich aus den Wolken. Ein Vulkankegel wie aus dem Bilderbuch. In der Nacht hatte der Mond langsam die Flanken erklommen.
Ein aktiver Vulkan. Die letzte Eruption war am 29.Juli 1968. Ein Schicksalstag für Costa Rica.

Bis zu 12km flogen die Gesteinsbrocken ins Land und hinterließen bis zu 25m große Krater. Ein Dorf wurde begraben. Nur wenige Leichen konnten geborgen werden. Alle 500 bis 800 Jahre ist ein größerer Ausbruch zu erwarten.Der Vulkan gebiert auch Leben. Auf den fruchtbaren Böden weiden Kühe, die für den schmackhaften mozarellartigen Costa Rica Käse und die sorgen.
Nach dem Ausbruch war das fruchtbare Ackerland jedoch unbrauchbar. Die Regierung kaufte das Land auf und entwickelte zwei in die Zukunft weisende Projekte: Den Bau eines Staudamms und die Ausweisung eines Nationalparks. Die Turbinen des Arenalstausees sorgen für den Großteil der Stromversorgung des Landes und damit auch für Unabhängigkeit. Costa Rica ist seit Generationen eine stabile Demokratie.

 

Arbeitskolonnen und Orchideen

Ein Spaziergang führt uns auf die Geröllfelder des Vulkankegels.  Am Wegesrand entdecken wir Blattschneiderameisen. Unser Führer Eric berichtet begeistert von den winzigen Kraftpaketen, die bis zum 8 -fachen ihres Körpergewichtes transportieren können. Bis zu zwei km transportieren die Tiere die Blättchen in ihren Bau. (das würde auf ich umgerechnet bedeuten: Ich transportiere den gesamtem Vorstand meines Clubs ca.600km auf den Schultern) Dort dienen Sie als Futter für einen Pilz, den die Ameisen fressen. Die Ameisen betätigen sich als Bauern. Die Ameisen sind blind und folgen stets auf derselben Trasse ihrem Geruch. Nicht alle Pflanzen sind verträglich für die Pilzkolonie der fleißigen Tiere. Daher tragen einige Ameisen die Blätter und eine weitere Ameise. Diese blinden Passagiere sind die Qualitätsprüfer der gesammelten Ware. Die Wege sind deutlich als vegetationsfreier Streifen zu erkennen. An einer Böschung ist ein halboffener Tunnel entstanden. Unser Weg führt an einer Weide vorbei. Als Zaunpfähle dienen Äste auf denen sich Bromelien angesiedelt haben.

Beim Blick über den Fuß des Vulkankegels fallen Bäume mit hochgestellten leuchtend rot orangenen Kronenblättern auf. Der Baum ist typisch für die Gegend und wird wegen der breiten Blätter „Tabacon“ (Cespedesia spathulata) genannt.

In der Volksmedizin wird Rindensud des Tabakbaumes gegen Durchfall verwendet.
Zudem soll der Sud schwachen Kindern und insbesondere Frühchen auf die Beine helfen. Das Splintholz des Baumes ist heller, als das dunkle, rotbraune Kernholz. Das Holz ist schwer und sehr hart. Es ist schwer zu bearbeiten, kann aber schön poliert werden. Der Tabakbaum wächst sehr langsam. Keimlinge sind selten zu finden.

Nach diesem Baum ist ein Fluß benannt und der beliebte Thermalort Tabacon am Fuße des Arenal.

 

Orchideen in Costa Rica

Das Geröllfeld besteht aus Brocken mit dunklem Vulkangestein mit Bewuchs in jeder Ritze. Farne, Bromelien und Keimlinge des Tabacon gedeihen hier.  Wir entdecken auch gelbe Venusschuhorchideen (Paphiopedelium) und rosa Orchideen der Gattung Sobralia.

Über 1500 Orchideenarten wurden schon in Costa Rica entdeckt. Die Hälfte davon wachsen als Aufsitzer auf anderen Pflanzen. Viele dieser Epiphyten sind abhängig von anderen Pflanzen, da das Saatgut zwei Eigenschaft hat. Es wird vom Wind verbreitet, ist sehr leicht und verfügt nicht über Energiereserven, die eine eigenständige Keimung zum Erfolg führt. Daher sind diese oft winzigen Orchideen auf einen Schimmel angewiesen, der ihnen die Power für die Geburtsphase zur Verfügung stellt.

Der Lankester Botanical Garden, unweit von Cartago, gilt als Zentrum der Orchideenforschung in Costa Rica. In dem international renommierten Forschungsgarten wurde 1/8 der costaricanischen Orchideen beschrieben.  Noch immer entdecken Forscher in unberührten Urwäldern neue Arten.

Einige Arten werden auch zum Kauf angeboten. Vor Ort ist zu sehen, wie die Pflanzen kultiviert werden.

 

Thermalbäder und ein Minidrachen

Zwölf warme Quellen versorgen die Thermalbäder um den Ort La Fortuna, spanisch für das Glück. Der Kirchturm von La Fortuna weist neben dem Vulkankegel zum Himmel. Im Ort viele bunte Geschäfte, ein kleiner Park mit kitschig violetten Cordyline; rote Euphorbien blühen auch üppig am geschnittenen Strauch ebenso wie die Ixora, die Flamme des Waldes genannt wird. Wandelröschen sind hier Unkraut, die Wege sind mit dem feinblättrigen Schlangenbart gefasst. Ein Junger Mann weist mich auf einen ockerfarbenen ca. 1,5 langen Leguan. Vorsichtig nähre ich mich dem friedlichen Mini- Drachen um ihn bei Abweiden der Pflanzen zu fotografieren.

Costa Rica bedeutet reiche Küste. Auch wenn viele Gebäude schmucklos und einfach wirken, gibt es keine Armut im Land. Weder Bettler noch Trinker sahen wir in La Fortuna.