Wunderland Regenwald – Wohngemeinschaften bis ins 15. Stockwerk

Reisebricht Costa Rica von Christoph Laade

Eine Welt in der man aus dem Staunen einfach nicht mehr herauskommt.

Die roten, gelben und orange Blüten der Helikonien, der Krebsscheren beindrucken durch ihre bis zu 2m langen Blütenhüllen. Wie Treppenstufen steigen oder fallen die Blüten, sammeln in handteller-großen Schiffchen Wasser in den sich ein eigener feuchter Lebensraum bildet. Hier erst bilden sich die unscheinbaren Blüten. Bisweilen bilden sie den Brutraum für kleine bunte Frösche. Die sorgsamen Männchen tragen die Qualquappen einzeln in ihre Bruträume und tragen sie später als kleine Fröschchen in ein geeignetes Gewässer zurück.

 

Wasser wird verwaltet

Wasser ist hier das zentrale Lebenselement und es muss reichlich vorkommen. Die übergroßen Blätter der Philodendren, der Monstera und des Elefantenblattes haben sich an die Regenfälle mit ihrer glatten wasserabweisenden Oberfläche angepasst. Viele Blätter der Dieffenbachien weisen Dripp Tipps aus, gemeint sind die Blattspitzen, an denen die Wassermengen eines tropischen Regengusses ablaufen können.

Das Wasser wird von den zahlreichen abgeworfenen Blättern am Boden gespeichert. Aus diesem Schwamm können sich die Urwaldpflanzen auch mit Nährstoffen bedienen. Bei konstant um die 30 Grad werden abgestorbene Blätter innerhalb eines Monats kompostiert und remineralisiert. Der Urwaldboden selbst ist in der Regel nährstoffarm. Die in den Boden entweichenden Wassermassen spülen Nährstoffe schnell aus. Ein komplexes System von Schimmeln und Pilzen sorgt dafür das die Nährstoffe optimal verfügbar sind.

Es wäre schön, wenn der tropische Landbau von dieser optimalen vergiftungsfreien Versorgung lernen könnte. Im Forschungszentrum La Selva im Norden der Haupstadt San Jose wurde mit Untersuchungen zu diesem Thema begonnen.

 

Epiphyten

Viele kleine Prozesse können die Forscher im Dschungel beobachten. Unsere Führer in La Selva weist uns auf feine hellgrüne Triebe am Boden, die jeweils in Richtung eines Baumstammes laufen. Am Baum entwickeln sich dunkelgrüne Blättchen die sich eng an die Rinde schmiegen. Langsam wachsen die Blättchen in die Höhe. Ab 2 – 3 m Höhe scheinen die Winzlinge verschwunden zu sein. Tatsächlich waren die unscheinbaren Blättchen die Babys der mächtigen Monsterablätter, die sich nun mit ihren Ausläufern in die Rinde krallen. Bemerkenswert ist, dass sich die zarten Jungtriebe nicht in Richtung Licht, wie alle Pflanzen bewegen, sondern zunächst die Dunkelheit des Baumstammes suchen müssen. Nur einzelne Pflänzchen erreichen letztlich auch den Stamm.

 

Der Lebensbaum Ceiba

Ein großer Baum beherbergt unzählige Gäste. Manche Pflanzen berühren nie den Erdboden. Dies Aufsitzer werden Epiphyten genannt. Es ist ein Wunder aus welchen winzigen Vertiefungen in der Rinde manche Bromelien (Ananasgewächse) ihre Nährstoffe entnehmen.
Aufsitzende Bromelien fühlen sich ebenso in Netzen oder auf Weidepfosten wohl wie in 50 m Höhe auf den mächtigen Ästen der Ceiba, des Kapokbaumes. Auf bequemen aufgeständerten Holzwegen gelang man quer durch den unberührten Urwald des Cinco Ceibas zu 5 der mächtigsten Ceibas der Erde. Der engagierte Führer berichtet von Ureinwohnern, die ihre Toten am Fuss der Bäume beerdigten, im festen Glauben, dass der Baum die Seelen der Verstorbenen mit in den Himmel nimmt. Der mächtigste der 5 Bäume hat einen Stammumfang von 15m und eine Höhe von 58m.

Die Brettwurzeln der Ceiba streichen bis zu 30 m ins Land. Neben der Erhöhung der Stabilität dienen die weitstreichenden Wurzen vor allem der Nährstoffsuche im ausgespälten Urwaldboden. Fällt so ein Riese erkennt man, dass die Wurzeln nicht viel mehr als 1m in die Tiefe reichen.

 

Luftwurzeln

Es gibt allerdings auch extrem lange Wurzeln im Urwald, nämlich die Luftwurzeln von halbepiphytischen Philodendren die bisweilen wie dünnes Lametta 40m vom Wirtsbaum herabhängen, um am sich am Boden zu verankern. Halbepiphytisch werden Pflanzen mit Sitz auf Wirten genannt, die jedoch über eigene Wurzeln verfügen genannt.

Die Luftwurzeln können wiederum von Bromelien besiedelt sein. An einer Stelle sahen wir, wie Blattschneiderameisen die Wurzeln als Schnellweg nutzten.

Es gibt unzählige aufsitzende Arten, wie Farne, Orchideen und Aronstabgewächse die auf ihre Wirtspflanzen und die Verbringung ihrer Samen durch Vögel und Affen angewiesen sind. Die zahlenmäßig stärkste Epiphytengruppe in Costa Rica gehören zu den Kakteengewächsen. Es ist natürlich praktisch, wenn eine Pflanze in der Höhe bei Bedarf auch Wasser speichern kann. Jeder Bromelienbesitzer zuhause weiß ja auch wie wichtig es ist Wasser in die Blattkelche zu gießen.

 

Kaffee und Saft

Beeindruckt vom Phantasialand Urwald von dem wir so viel lernen können schlürften wird in der Kantine der Station einen Kaffee oder labten uns an einem Fruchtdrink aus den heimischen Früchten.